EU-Mission

Von der Leyen in Mali - Mit langem Atem gegen die Rebellen

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat Mali besucht. Die Bundeswehr hilft dort bei der Ausbildung der Soldaten.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist Gast von Tiéman Hubert Coulibaly (r.), Malis Verteidigungsminister

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist Gast von Tiéman Hubert Coulibaly (r.), Malis Verteidigungsminister

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Ein dampfender Nachmittag, der Asphalt ist rissig, über einer Mauer hängt ein Teppich zum Trocknen. Der malische Soldat, der im Orchester das Becken spielt, lässt sein Instrument bei der Generalprobe fallen. Ein paar Minuten später kommt Ursula von der Leyen im malischen Verteidigungsministerium an. An der Seite von Verteidigungsminister Tiéman Hubert Coulibaly schreitet sie an den Soldaten vorbei.

„Der Ausbildungszustand war zu Beginn geringer als null“, sagte die deutsche Verteidigungsministerin auf dem Flug in die malische Hauptstadt Bamako über die Soldaten, die im Rahmen der europäischen Trainingsmission EUTM ausgebildet werden. Bei der Ausrüstung sah es nicht besser aus. „Es waren noch nicht mal Stiefel vorhanden.“ Es gibt ein bisschen Fortschritt, aber der Weg ist weit. „Wir brauchen in dieser schwierigen Region einen langen Atem“, sagt von der Leyen.

Mali liegt südlich von Algerien. Es ist eines der ärmsten Länder der Welt. Nach einem Militärputsch 2012 nutzten Islamisten und Tuareg-Rebellen das Machtvakuum: Sie eroberten den Norden, führten die Scharia ein. Das Land zerbrach in zwei Teile. Die Regierung bat die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, den Vormarsch der Krieger aus dem Norden zu stoppen. Im Januar 2013 intervenierte Frankreich. Einen Monat später stimmte der Bundestag einem Trainingsmandat der Bundeswehr zu. Aktuell bilden 160 deutsche Soldaten malische Kämpfer aus.

Friedensabkommen mit den Tuareg-Rebellen

Dort geht es jetzt – vielleicht – voran. Im Juni wurde ein Friedensabkommen mit dem Tuareg-Rebellen geschlossen. Doch jetzt müssen die Verabredungen des Abkommens erfüllt werden. „Die Lage im Norden ist fragil, gespannt, kritisch“, sagt Ursula von der Leyen. Die islamistischen Terroristen wollen nicht verhandeln.

Am Dienstagmorgen trifft von der Leyen Vertreter Nord-Malis in ihrem Hotel zum Frühstück. Die Tuareg-Anführer tragen traditionelle Gewänder, bedanken sich wortreich bei der Ministerin, schenken ihr ein Schmuckkästchen aus dunklem Holz. Von der Leyen lächelt, als sie das Kästchen entgegen nimmt. Hartnäckig ist sie trotzdem: Sie will immer wieder wissen, was getan werden muss, damit das Friedensabkommen ein Erfolg wird. Die Tuareg möchten eingebunden werden, auch in die malische Armee. Sie beklagen, dass der Norden unter dem Waffen- und Drogenschmuggel leidet, mit dem sich die Islamisten finanzierten. Hier verweist die deutsche Ministerin auf die Mission der Bundeswehr: „Umso wichtiger ist es, dass die malische Armee schlagkräftig aufgestellt wird.“

Neue deutsche Verantwortung

Es ist Ursula von der Leyens zweite Reise nach Mali. Anfang 2014 ging es für die neue Verteidigungsministerin noch darum, die Truppe in Koulikoro zu besuchen. Sie sagte, sie wolle ganz viel lernen. Heute tritt Ursula von der Leyen ganz selbstbewusst auf. Das passt auch zur neuen Verantwortung, die Deutschland in Mali übernimmt. Die Bundeswehr hat in den nächsten zehn Monaten das Kommando über die EU-Ausbildungsmission mit 600 Soldaten aus 26 Ländern. Bisher wurden 5000 malische Kämpfer ausgebildet.

Ein Erfolg bei der Staatenbildung würde auch beim Thema Flüchtlinge helfen. Je stabiler die Region, desto weniger Menschen flüchten. „Nichts kann Menschen eher davon abhalten, die lebensgefährliche Flucht nach Europa zu wagen, als die Tatsache, dass sie in ihren Heimatländern Perspektiven haben“, sagt von der Leyen.

Wenn hier der Aufbau gelingt, hat das eine positive Wirkung auf ganz Westafrika, glaubt die Bundesregierung. Berlins Devise: Mali muss unterstützt werden, um sich dann aus eigener Kraft aufzurichten. Doch das geht nicht von heute auf morgen. In der Kolonne der Ministerin fährt auch ein Pick-up, auf dem stehen Männer mit Maschinengewehren. Sie tragen Anzüge, auf ihren orangen Armbinden steht „Police“. Schon auf dem Flug nach Bamako hat von der Leyen gesagt: „Mali wird uns noch lange beschäftigen.“

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