Freital

Anschlag auf Politiker-Auto mit illegalem Böller

Nach dem Anschlag auf ein Auto des Freitaler Linken-Stadtrats Richter ist klar, dass ein illegaler Böller die Explosion verursachtr hat.

Ein Aufkleber nahe einem Flüchtlingsheim in Freital

Ein Aufkleber nahe einem Flüchtlingsheim in Freital

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Ein illegaler Böller hat die Detonation im Wagen des Kommunalpolitikers Michael Richter (Linke) ausgelöst. Das haben die Ermittlungen der Polizei ergeben. „Es handelt sich um ein pyrotechnisches Erzeugnis, das in Deutschland nicht zugelassen ist“, sagte eine Sprecherin des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) am Dienstag. Unbekannte hatten demnach in der Nacht zum Montag zunächst eine Scheibe eingeschlagen und den Böller in das Innere des Fahrzeugs geworfen. Weitere Details wollte das OAZ aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

Der Wagen wurde stark beschädigt, verletzt wurde niemand. Richter, der sich auch für Flüchtlinge einsetzt, vermutet einen rechtsextremen Hintergrund. Laut Polizei gibt es jedoch noch keine Hinweise auf Motiv und Täter.

Zuvor wawr bekannt geworden, dass das OAZ die Ermittlungen übernommen hat. Im OAZ wird die Ermittlungsarbeit der Polizei und der Staatsanwaltschaft zu Straftaten mit rechtsextremen Hintergrund landesweit koordiniert.

Linke spricht von „Sprengstoffattentat“

Die Linke in Sachsen bezeichnete das Geschehen bereits am Montag als „Sprengstoffattentat“ und „eindeutig politisch motivierte Stafttat“. Die Partei warnte vor einer Eskalation ausländerfeindlicher und rechtsextremer Proteste. Das „Rassismusproblem“ in Sachsen sei längst zu einem „Sicherheitsproblem“ geworden, erklärte der Linken-Fraktionschef im Landtag, Rico Gebhardt.

In Freital machen Rechtsextreme und selbsternannte „Bürgerwehren“ in aggressiver Weise seit Monaten Stimmung gegen eine Asylbewerberunterkunft und die dort wohnenden Flüchtlinge. Seiner Partei zufolge hatte sich Richter neben seinem lokalpolitischen Engagement als Linken-Stadtrat an der Organisation von Veranstaltungen der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl beteiligt. Er sei schon früher massiv bedroht worden.

Vor dem Hintergrund einer zuletzt stark gestiegenen Zahl von Asylbewerbern ist es in Deutschland in den vergangenen Monaten wiederholt zu Brandanschlägen und anderen Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte gekommen. In etlichen Orten gingen Rechtsextremisten und ihre Sympathisanten zudem zu ausländerfeindlichen Protesten auf die Straße; in Freital kam es dabei auch zu Attacken auf Gegendemonstranten. Wiederholt wurden darüber hinaus örtliche Amtsträger von Rechtsextremen wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage bedroht.

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