Paris –

Bauern gehen auf die Barrikaden

Frankreichs Landwirte blockieren aus Protest gegen billige Waren die Grenze zu Deutschland

Paris.  Sie versperren mit ihren Traktoren Grenzübergänge von Deutschland und Spanien nach Frankreich. Passieren lassen sie nur Privatautos und Lastwagen, die keine Agrarprodukte geladen haben. Die Proteste französischer Landwirte haben damit einen neuen Höhepunkt erreicht, den nun auch Lieferanten aus Nachbarländern zu spüren bekommen. Mit der Blockade mehrerer Verbindungsstrecken nach Deutschland wollten rund 1000 Bauern aus dem Elsaß die Wettbewerbsverzerrung anprangern, durch die sie ihrer Meinung nach benachteiligt werden. Die Produktionskosten in Deutschland seien wegen des Einsatzes von Arbeitskräften aus Osteuropa sehr viel niedriger als in Frankreich, beklagen sie.

Französische Viehzüchter und Milchbauern machen bereits seit mehr als einer Woche die Straßen in Frankreich unsicher. Mit ihren Traktoren blockieren sie die Zufahrtsstraßen zur Touristenattraktion Mont-Saint-Michel und Städten, vor den Eingängen von Supermärkten und Schlachthöfen entladen sie Berge von Müll und Schutt. Im Südwesten des Landes trieben sie sogar Schweine durch Geschäfte. Mit ihren Protest-Aktionen versuchen sie, auf ihre prekäre Lage aufmerksam zu machen. Denn Frankreichs Viehzüchter und Milchbauern stecken in der Krise. Die Preise, die sie mit ihren Produkten erzielen, reichen nicht aus, um ihre Kosten zu decken. Viele von ihnen seien deshalb von der Pleite bedroht.

Etwa 22.000 bis 25.000 der französischen Viehzuchtbetriebe drohe in diesem Sommer der Konkurs, sagt Agrarminister Stéphane Le Foll. Die sozialistische Regierung hat angesichts der Proteste letzte Woche eine Reihe von Hilfsmaßnahmen verkündet. So will sie Soforthilfen in Höhe von 600 Millionen Euro bereitstellen. Präsident François Hollande rief zudem Einzelhändler und Verarbeitungsbetriebe auf, den Bauern bei den Preisen entgegenzukommen. Doch das reicht den Landwirten nicht aus. Sie protestieren, um weitere Zugeständnisse zu erreichen. Die Wettbewerbsverzerrungen innerhalb Europas müssten aufhören, fordern sie nun.

In Frankreich selber machen die Landwirte den Einzelhandel und verarbeitende Betriebe für ihre missliche Lage verantwortlich. So wurde beispielsweise den Milchbauern zuletzt 300 Euro für eine Tonne Milch gezahlt, also 30 Cents pro Liter. Das sind zwölf Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. In französischen Supermärkten kostet ein Liter frische Milch dagegen in der Regel 1,29 Euro. Er müsste einen Preis von 370 Euro pro Tonne erzielen, um menschenwürdig leben zu können, sagt Samuel Bidert von der Gewerkschaft der jungen Landwirte Jeunes Agriculteurs. 340, 350 Euro pro Tonne würden gerade mal ausreichen, um seine Kosten zu decken. Ein Gehalt könne er sich davon aber nicht überweisen.Bei den Viehzüchtern sieht die Lage nicht viel besser aus. Die Preise, die die Schlachthöfe für ein Schwein zahlen würden, seien 30 Euro zu niedrig, um seine Produktionskosten decken zu können, erklärt Jean-Michel Juhel aus der Bretagne.

Präsident Hollande hatte den Einzelhandel bereits aufgefordert, Fleisch aus französischer Produktion im Einkauf teurer zu bezahlen. Seine sozialistische Regierung versucht seit Wochen, zwischen Viehzüchtern, Milchbauern, dem Einzelhandel und Zwischenhändlern zu vermitteln.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen