Berlin –

Typus gute Freundin

Der Tag der Freundschaft wird international begangen. Für Angela Merkel ein heikles Thema

Berlin. „Vom Typus her“ hält sich Angela Merkel für eine gute Freundin. Allein, die Kanzlerin hat schon lange keine Zeit mehr, Freundschaften zu pflegen. Denn noch bevor sie 2005 erste deutsche Regierungschefin wurde, sagte sie der Zeitschrift „Brigitte“: „Früher war ich, glaube ich, eine gute Freundin. Inzwischen bin ich keine besonders aufmerksame Freundin mehr, weil ich sehr wenig Zeit habe.“

Am 30. Juli ist der internationale Tag der Freundschaft. Eine Gelegenheit, über Freundschaften insgesamt nachzudenken – zum Beispiel im Fall Merkel. Freundschaften müssten gepflegt werden, begründete die gerade ernannte Kanzlerin damals – und hoffte: „Dass eines Tages, wenn ich einmal nicht mehr in der Politik bin, noch genug alte Freundschaften übrig sind, die ich wiederbeleben kann.“ Denn: „Vom Typus her bin ich eine gute Freundin.“

Heute – zehn Jahre weiter, inzwischen als mächtigste Frau der Welt betitelt und schier pausenlos im In- und Ausland unterwegs – hat Merkel erst recht keine Zeit mehr für Freundschaftspflege. Aber sind Freunde nicht gerade die Menschen, die man in der Not immer anrufen kann – gleich, wie lange man sich nicht gesprochen hat? Und wessen Nummer würde Merkel dann wählen?

Professionelles Verhältnis

Die 61-Jährige selbst schirmt ihr Privatleben so weit wie möglich ab, spricht weder groß über ihre Ehe mit dem Quantenchemiker Joachim Sauer noch über ihre Geschwister und Freunde. Aber in Medien tauchen Namen auf wie Friede Springer (Unternehmerin, Axel Springer SE) und Liz Mohn (Bertelsmann Stiftung) oder Mathias Döpfner (Vorstandschef der Axel Springer SE) und Matthias Wissmann (einst Bundesverkehrsminister, heute Präsident des Verbandes der Automobilindustrie), mit denen Merkel befreundet sei. Doch das kann als übertrieben gelten. Gut bekannt und vernetzt, das trifft es eher.

Und was ist mit ihrer Büroleiterin Beate Baumann und ihrer medienpolitischen Beraterin Eva Christiansen – beide seit vielen Jahren an Merkels Seite? „Sie sind keine Freundinnen“, heißt es in Merkels Umfeld über das in einem Comic einst als „Girls’ Camp“ beschriebene Trio im Kanzleramt. „Sie haben ein professionelles Verhältnis zwischen Mitarbeiterin und Chefin, sie siezen sich.“ Sehr enge Vertraute, aber eben keine Freundinnen, die sich privat treffen. In die Kategorie der Vertrauten falle auch Hildegard Müller, unter Merkel früher Staatsministerin im Kanzleramt, heute Präsidentin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft.

Also, wer zählt zu Merkels Freundeskreis? Dem Vernehmen nach gibt es zwei Freundinnen aus Physikstudienzeiten, deren Namen zum Schutz ihrer Privatsphäre nicht genannt werden. Einem von Merkels Wegbegleitern fällt der SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi ein. Auch der „Stern“ schrieb 2010, dass Dohnanyi und seine Frau, die Schriftstellerin Ulla Hahn, „eng befreundet“ mit dem Ehepaar Merkel/Sauer seien.

Und wie steht es um Freunde in der CDU? Über Freundschaften in der Politik und dann noch in der eigenen Partei hat der frühere CSU-Chef Franz Josef Strauß einmal die Steigerungsformel „Feind, Todfeind, Parteifreund“ ausgegeben. In zwei Fällen trifft bei Merkel das Gegenteil zu: Parteifreunde, Freunde, beste Freunde sind Annette Schavan und Volker Kauder. Das ist auch öffentlich nachzuverfolgen. Unionsfraktionschef Kauder sorgt seit zehn Jahren dafür, dass die eigenen Bundestagsabgeordneten Merkels Politik folgen. 2014 sagte er der „Bild“ zu Spekulationen, Merkel sei über seine Amtsführung verärgert: „Angela Merkel und ich sind sehr gute Freunde. Wir vertrauen uns. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Im Kanzleramt wurde das damals bestätigt. Beide verbinde auch die Leidenschaft für Theater und Fußball – Champions-League-Spiele des FC Bayern schauten sie gern gemeinsam an, wird erzählt.

Merkels Freundschaft zu Schavan wurde in einer für beide Frauen schweren Stunde deutlich: Im Februar 2013, als Schavan über eine Doktortitel-Affäre stürzte und als Bundesbildungsministerin zurücktrat – auch, um Druck von Merkel zu nehmen. An einem Samstag traten beide dazu im Kanzleramt vor die Kameras. Merkel war anzusehen, wie leid ihr dieser Schritt tat. Sie stimmte „sehr schweren Herzens“ zu.

Schavan wurde deutsche Botschafterin im Vatikan. Noch nie hatte Deutschland zuvor eine Frau dorthin entsandt. Angeblich hat Merkel das in Absprache mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) eingefädelt. Schavan sagte bei ihrem Rücktritt zu Merkel: „Freundschaften hängen nicht an Amtszeiten und gehen über diesen Tag hinaus.“ Wenn Merkel einmal nicht mehr in der Politik ist, dürfte zumindest diese alte Freundschaft übrig sein.

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