Politik

Von Terroristen, Sonnenfinsternis und Kuchenbacken

| Lesedauer: 4 Minuten
Sandra Garbers

In manchen Kitas sind jetzt auch Ferien. So warten ganz neue Herausforderungen

Wir haben Kita-Ferien. Das heißt, dass die Kinder drei Wochen frei haben und ich drei Wochen Kinderdienst. Von morgens um acht bis abends um acht. Eher neun, noch eher halb zehn. Jede Woche Kita-Ferien sind eine Stunde Zeitverschiebung. „Jetzt geht es endlich ins Bett, kleine Terroristen!“, schimpfte ich vor kurzem. Die Tochter war ziemlich empört: „Ich bin nicht klein!!!“

Kita-Kinder, die Ferien haben, sind so anstrengend wie sehr wehleidige Männer mit einer Erkältung. „Ich habe Durst! Ist ein Keks auch eine Süßigkeit? Ich möchte Jim Knopf gucken! Wir hatten heute erst ein Eis, an heißen Tagen bekommen Kinder aber zwei Eis. Das verstehst du doch, oder?“ Das fragt die Tochter neuerdings immer. Sie mag nicht aus dem Becher trinken, wo bestimmt die Spucke vom kleinen Bruder drin ist. Das verstehst du doch, oder? Sie möchte ein Welsh-B-Pony. Das verstehst du doch, oder? Sie hat den kleinen Bruder aus ihrem Zimmer ausgesperrt, das versteh ich doch auch, oder?

Wir gehen auf Spielplätze, wo die Vierjährige Freundschaften mit anderen Daheimgebliebenen schließt, gemeinsam durchs Gebüsch streift, und anschließend versucht, sich zu verabreden. „Wollen wir unsere Hausnummern austauschen?“ Der Kleine macht derweil das, was er am liebsten macht. Ich: „Nicht die großen Mädchen ärgern.“ Sohn: „Doße. Mädchen. Ärgern. Jaa!“ Ich: „Nicht den kleinen Jungen hauen.“ Er: „Dunge. hauen. Jaaaaa!!“

Wir lesen schlaue Bücher. Ich: „90 Prozent aller Menschen auf der Welt sind Rechtshänder. Das heißt, von 100 Menschen sind 90 Rechtshänder und nur zehn Linkshänder.“ Tochter: „Jetzt sind es elf. Die hatten mich doch bestimmt nicht mitgezählt.“

Wir fahren an den nahegelegenen See, wo der Kleine mit seinen Schwimmflügeln durchs Wasser paddelt und mir fröhlich „Tsühüß“ zuruft, während er Richtung Seemitte davondümpelt. Die Vierjährige, die gerade Schwimmen gelernt hat, aber noch im Pre-Seepferdchen-Stadium ist, ruft: „Ich mach’ noch einen Looping, dann schwimm’ ich rüber ans andere Ufer, ja, Mama?“ Ich versuche derweil die leisen Stimmen im Kopf zu überhören, die Sätze sagen wie: „Kinder ertrinken lautlos“ oder „Das zweite Ertrinken. Die unterschätze Gefahr“. Die Vierjährige will tauchen, so wie Prinzessin Sursulapitschi, die Tochter vom Meerkönig Lormoral. Tauchen im trüben Waldsee. Dazu ein irrer Zweijähriger mit Schwimmflügeln. Ich bin jedes Mal heilfroh, wenn die Kinder wieder gesund und munter abgetrocknet sind.

Ich beantworte beim Eisessen gekonnt Kinderfragen. Tochter, unvermittelt: „Mama, wann ist die nächste Sonnenfinsternis?“ Ich: „Keine Ahnung.“ Tochter: „Du bist die einzige Mutter der Welt, die das nicht weiß.“ Ich versuche zu googlen. Mist, Handy leer. Tochter: „Du ärgerst dich, dass du die einzige Mutter der Welt bist, die nicht weiß, wann die nächste Sonnenfinsternis ist, oder?“

Ab und zu komme ich natürlich auch dazu, mich um mich zu kümmern. Eine entspannende Dusche nehmen zum Beispiel. Nach dem letzten Duschen fand ich den Zweijährigen in der Küche. Er hatte einen Liter Milch in einen Halb­litermessbecher gekippt, war dabei Sahnesteif und Zucker hineinzurühren und saß in einer Milchpfütze. „Kuchen!“ rief er begeistert. Es dauerte ziemlich lange, die Milch aus den Ritzen zwischen dem geölten Parkett herauszuholen.

Entgegen vieler Vorurteile kann die ganztägige Beschäftigung mit Kleinkindern aber doch geistig anspruchsvoll sein. Erst vorgestern hatte die Vierjährige beschlossen, allen Schleich-Pferden Namen zu geben. Die Haflinger Vroni und Thomas, das Warmblut Hengsti, der Appaloosa Emma Sue. Die Isländer Buska und Hetja. Der Schecke Polly. 40 Stück insgesamt. „Mama, gibst du mir mal Fantasto rüber?“ Ich reiche ihr ein Pferd. „Den doch nicht! Das ist doch das Feenpferd Rafael! Weißt du das denn nicht mehr?“ Wenn die Ferien vorbei sind, brauche ich dringend Ferien.

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