Washington –

Kubas Flagge weht wieder in Washington

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Die USA und der Karibikstaat haben offiziell wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen

Washington –.  Die USA und Kuba haben nach mehr als 50 Jahren politischer Eiszeit wieder volle diplomatische Beziehungen aufgenommen. Zur feierlichen Wiedereröffnung der kubanischen Botschaft in Washington wurde am Montag die Fahne des sozialistischen Staates an der 16th Street gehisst, wie amerikanische Medien berichteten. Kubas Außenminister Bruno Rodríguez war mit einer rund 30-köpfigen Delegation nach Washington gereist.

Die US-Delegation wurde von der Staatssekretärin im US-Außenministerium, Roberta Jacobson, angeführt, die auch die Verhandlungen mit Kuba leitete. Bereits kurz nach Mitternacht (Ortszeit) war die Normalisierung des Verhältnisses zwischen beiden Staaten in Kraft getreten, die bisherigen Interessenvertretungen erhielten den Status einer Botschaft.

Nach der Zeremonie war am Montagmittag (Ortszeit) ein Treffen zwischen Rodríguez und US-Außenminister John Kerry im State Department geplant. Rodríguez besucht als erster kubanischer Außenminister seit mehr als 50 Jahren die USA. Die USA hatten am Montag keine Eröffnungsfeier ihrer Botschaft in Havanna geplant. Kerry will aber im August nach Kuba reisen, um dort an der Botschaft die amerikanische Flagge zu hissen. Ein genaues Datum ist noch nicht bekannt. Bis beide Länder neue Botschafter benennen, bleiben die Verantwortlichen der bisherigen Interessenvertretungen als Geschäftsträger im Amt, José Ramón Cabañas für Kuba und Jeffrey DeLaurentis für die USA.

Die USA hatten die Beziehungen zu Kuba 1961 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges abgebrochen. Während einer Phase der Entspannung öffneten 1977 die Interessenvertretungen beider Länder, die unter der Schutzmacht der Schweiz standen. Im Dezember vergangenen Jahres verkündeten US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro überraschend eine Wiederannäherung. Reisebeschränkungen für US-Bürger und das Handelsembargo gegen Kuba sind aber noch in Kraft.

In Kuba selbst sind unterdessen, wenige Wochen vor einem Besuch von Papst Franziskus, erneut mehr als 70 Regimekritiker festgenommen worden. Wie die regierungskritische Internetseite „14ymedio“ berichtete, nahm die Polizei im Anschluss an einen Gottesdienst am Sonntag (Ortszeit) rund 40 Angehörige der Bürgerrechtsorganisation „Frauen in Weiß“ sowie weitere 30 Aktivisten in Gewahrsam. Die Frauen hatten demnach ihren traditionellen Schweigemarsch abgehalten und danach die Darbietung eines Protestliedes gehört.

Kampf für Regimekritiker

Die Frauen in Weiß (Damas de Blanco) sind ein Zusammenschluss von Frauen in Kuba, deren Männer und Söhne wegen Eintretens für die Meinungs- und Pressefreiheit verhaftet wurden. Gegründet wurde die Bewegung im Jahr 2003 als Reaktion auf den kubanischen „Schwarzen Frühling“. Damals waren zahlreiche Regimekritiker festgenommen und zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Seit dieser Zeit fordern die Frauen in Weiß regelmäßig in der Öffentlichkeit die Freilassung politischer Häftlinge. Ihre Bezeichnung geht auf die weiße Kleidung zurück, die sie als Zeichen ihres friedlichen Widerstands tragen.

( epd/KNA )

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