Berlin ­­–

Abschied von Philipp Mißfelder

Trauerfeier für verstorbenen CDU-Politiker in der Hedwigs-Kathedrale

Berlin ­­–.  Es ist nicht die passende Kulisse für einen Trauertag. Keine Wolke am Himmel, der Freitag wird heiß werden. Eigentlich sind die Abgeordneten schon in der parlamentarischen Sommerpause – wäre da nicht Griechenland. Wenn der Bundestag an diesem Vormittag zur Debatte über neue Hilfen zusammenkommt, wird ein Platz leer bleiben. Es ist der Platz von Philipp Mißfelder (CDU).

Sein Porträt steht am Morgen vor dem Altar der nahen St.-Hedwigs-Kathedrale, schwarz-weiß und groß, über der linken Ecke das Trauerband. Viele sind gekommen, um Abschied zu nehmen von einem Politiker, Parteikollegen, Freund, der – so dürfte es allen hier durch den Kopf gehen – mit 35 viel zu jung aus dem Leben gehen musste. Die Bänke unter der gewaltigen Kuppel reichen nicht aus, die Trauergemeinde zu fassen, etliche stehen entlang der Säulen oder im Eingang.

Bundestagspräsident Norbert Lammert wird später in einer Ge denkminute im Plenum sagen, dass Mißfelder einer war, der sehr jung schon ein dichtes Netz an Kontakten hatte, auch über Parteigrenzen hinweg. Und so sind unter den Trauergästen nicht nur die Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel und etliche Bundesminister, sondern auch Oppositionspolitiker wie der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter und sein Vorgänger Jürgen Trittin.

Vielen geht sichtlich nahe, wie Prälat Karl Jüsten den letzten Tag des langjährigen Vorsitzenden der Jungen Union (2002 bis 2014) und außenpolitischen Sprechers der CDU/CSU-Fraktion (seit 2009) beschreibt. Wie den Schwimmbadbesuch mit den beiden kleinen Töchtern, nach dem er sich am Abend auf einmal nicht gut fühlte. Zum Ende der Totenmesse spricht Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) einige Worte, schildert, wie die Nachricht von Mißfelders plötzlichem Tod durch eine Lungenembolie am Montagmorgen den Parteivorstand erreichte, erzählt von der Fassungslosigkeit.

Es ist das Bild eines umtriebigen Politiktalents, das Kauder wie Lammert zeichnen. Ins Gedächtnis vieler hat sich die Geschichte mit den künstlichen Hüftgelenken für 85-Jährige eingegraben, die Mißfelder der Solidargemeinschaft 2003 nicht mehr zumuten wollte. Aber es wird nicht das Einzige sein, was bleibt. Im Bundestag liegen auf seinem Platz weiße Blumen.