Berlin –

Vom glühenden Europäer zur Hassfigur in sozialen Netzwerken

Wolfgang Schäuble sorgte mit „Grexit-auf-Zeit“-Option für Unmut

Berlin –.  An geschmacklose Karikaturen als SS-Scherge und KZ-Aufseher hat sich Wolfgang Schäuble in der mehr als fünf Jahre dauernden Griechenland-Krise beinahe schon gewöhnt. Dass selbst diese Bilder noch übertroffen werden können, zeigt die Hasswelle, die sich nach der vorläufigen Einigung über neue Milliarden-Hilfen über den Finanzminister im Netz zusammenbraut: Schäuble, an einem Baum aufgehängt oder als blutrünstiger IS-Terrorist.

Solche Bilder dürfte der 72-jährige CDU-Politiker noch als krankhafte Hirngespinste abtun. Dagegen wird ihn die harsche Kritik mancher US-Ökonomen und des ein oder anderen europäischen Staats- und Regierungschefs durchaus ärgern. Deren Vorwurf: Der glühende Europäer habe überzogen und sei ein Spaltpilz, der der europäischen Idee und der Währungsunion letztlich genauso schade wie die Links-Rechts-Regierung von Griechen-Premier Alexis Tsipras. Denn ausgerechnet vor dem entscheidenden Wochenende in Brüssel lanciert Schäuble ein brisantes Papier, in dem Athen auch der zeitweise Euro-Austritt nahelegt wird – als Option im Falle einer Nichteinigung. Der „Auszeit“-Vorstoß des überzeugten EU-Anhängers Schäubles landet zwar vorerst in der Plan-B-Schublade. Aber an das Papier wird man sich in Athen und Rest-Europa ebenso erinnern wie in Berlin. Schäubles „Grexit-auf-Zeit-Variante“ kam nicht wirklich überraschend. Zumal die Rollenverteilung seit Monaten klar schien: Schäuble, der ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum in Kauf nimmt. Und Merkel, die das große Ganze im Auge hat. In Deutschland ist der Finanzminister so beliebt wie nie zuvor ein Kassenwart. In einer Umfrage rangierte Schäuble zuletzt sogar vor der Kanzlerin.

( dpa )

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