München –

Steuerten Hacker deutsches Raketensystem?

Gerhard Hegmann

München –.  Die Elektronik und Software von Hightech-Waffensystemen gilt als Achillesferse bei deren Einsatz. Seit Längerem warnen Experten daher vor Hackerangriffen auf die Steuerungen der Waffen. Womöglich ist inzwischen die Technologie des im Westen weit verbreiteten Flugabwehrsystems Patriot geknackt worden. Systeme der Bundeswehr, die zum Schutz des Nato-Partners Türkei an der Grenze zu Syrien stationiert sind, sollen „unerklärliche“ Befehle ausgeführt haben. Dies berichtet die Fachpublikation „Behörden Spiegel“ in ihrer neuen Ausgabe.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums dementierte jedoch den Bericht mit Nachdruck. Für den geschilderten Sachverhalt „gebe es keine Anhaltspunkte“ und er sei extrem unwahrscheinlich.

Die Bundeswehr ist seit Anfang 2013 mit einer Patriot-Einheit, die sechs Startgeräte und zwei Radaranlagen umfasst, an der Grenze zu Syrien stationiert. Weltweit nutzen über ein Dutzend Staaten das vom US-Konzern Raytheon entwickelte Patriot-Abwehrsystem. Für den US-Konzern Raytheon und für Lockheed Martin als Lieferanten der Lenkwaffe bedeuten die Aufträge teilweise Milliardenumsätze. Deutschland will bei seinem künftigen Flugabwehrsystem von Patriot auf das neue Meads-System des Anbieters MBDA wechseln. Die Kosten werden auf über vier Milliarden Euro geschätzt.

Eine erfolgreiche Cyberattacke auf die Patriot-Flugabwehrtechnik wäre für die Militärs höchst alarmierend. Das Branchenblatt „Behörden Spiegel“ sieht als mögliches Einfallstor für digitale Attacken im Patriot-System die sogenannte Sensor-Shooter-Interoperabilität. Das ist der Datenaustausch unter Echtzeitbedingungen zwischen der Führungselektronik und dem Waffensystem. Eine weitere Möglichkeit für Cyberattacken oder Industriespionage seien die Chips in den Waffensystemen. Die Rohlinge würden in Asien produziert, heißt es.

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