Srebrenica –

Regierungschef mit Steinen beworfen

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Demonstranten verletzen Vucic bei Feier zum Gedenken an Srebrenica

Srebrenica –.  Aufgebrachte Demons­tranten haben den serbischen Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic am Sonnabend von der Feier zum Gedenken an das Massaker von Srebrenica im Jahr 1995 vertrieben. Vucic legte gerade ein Blumengebinde am Mahnmal nieder, als Demonstranten begannen, ihn auszubuhen und Steine nach ihm zu werfen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tanjug wurde der Regierungschef von einem Stein am Kopf getroffen. Seine Brille sei dabei zersplittert. Abgeschirmt von seinen Leibwächtern musste Vucic vom Gedenkort fliehen. Die Organisatoren der Gedenkveranstaltung riefen die Demonstranten über Lautsprecher zur Ruhe auf. Vucic war in einer Geste der Versöhnung nach Srebrenica gereist.

An der Gedenkzeremonie in der bosnischen Kleinstadt für die dort vor 20 Jahren von bosnisch-serbischen Soldaten ermordeten Tausenden muslimischen Jungen und Männer nahmen Zehntausende Menschen teil, darunter auch zahlreiche Politiker aus dem Ausland wie der damalige US-Präsident Bill Clinton. Die Teilnehmer kamen mit Bussen, Autos, Motorrädern und auch zu Fuß in den Ort, wo 1995 im Bosnienkrieg rund 8000 muslimische Männer und Jungen von serbischen Truppen umgebracht worden waren. Das Massaker gilt als das schlimmste in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 sollte Srebrenica als Schutzzone der Vereinten Nationen Zivilisten Zuflucht bieten. Doch überrannten serbische Truppen die muslimische Enklave, und die niederländischen Blauhelme konnten das Gebiet nicht schützen. Rund 15.000 Männer versuchten, in die Wälder zu fliehen. 8000 wurden ermordet.

International wird das Massaker als Völkermord gewertet, was Serbien bestreitet. Diese Woche hatte Russland eine UN-Resolution verhindert, die die Wertung als Völkermord enthielt. Vucic wurde schon zu Beginn der Gedenkfeier mit Buhrufen empfangen, bei der auch das Begräbnis von 136 erst kürzlich identifizierten Opfern begangen werden wollte.

Einige Mütter von Opfern begrüßten aber, dass Vucic gekommen war. „Nur auf der Wahrheit lässt sich eine Zukunft bauen“, sagte Kada Hotic, die ihren Mann und ihren Sohn bei dem Massaker verloren hatte, zu dem serbischen Politiker. „Alle Mitglieder meiner Familie liegen hier unter diesen Grabsteinen. Das kann man nicht bestreiten. Denn für die Zukunft brauchen wir gute Beziehungen.“

( AP/AFP )

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