Politik

„Heute muss ich bei euch schlafen“

| Lesedauer: 4 Minuten

Zwei Kinder, die gleichzeitig nicht ins Bett wollen, sind eine Herausforderung

Wenn man Kinder hat, gibt es plötzlich jede Menge neuer Paragrafen in der Hausordnung. So etwas wie „Kein Eis vor dem Frühstück!“, „Sandmännchen ODER Peter Pan!“, „Finger weg von der Steckdose!“, „Nicht so viel Ketchup!“ und natürlich auch der Klassiker: „Nein, du schläfst heute Nacht in DEINEM Bett.“

Wir haben den Kindern wunderschöne Betten gekauft. Die Tochter hat ein Prinzessinnen-Hochbett mit Höhle, rosa-weiß gestreiften Vorhängen und einer Leiter. Sie spielt Schiff damit, beklebt es mit Glitzersteinen, hört unten in der Höhle stundenlang „Jim Knopf und die Wilde 13“, seilt Stofftiere von oben herab, macht Sprungübungen. Aber schlafen? Nein, schlafen kann man in dem Ding offenbar nicht. „Das Bett ist schön, Mama, aber da gehen die Augen einfach nicht zu. Morgen schlaf ich da drin. Versprochen. Aber heute muss ich bei euch schlafen.“

Der Sohn hat noch ein Gitterbettchen. Das war prima, solange er nicht verstanden hatte, dass das in Wirklichkeit gar kein Babygefängnis war, sondern man rausklettern kann, wann immer einem danach ist.

Also: Reißverschluss vom Schlafsack auf, rauswurschteln, übers Gitter klettern und freudestrahlend die neue Freiheit feiern. „Du legst dich sofort wieder ins Bett!“ Sohn: „Bäääääääd!!!!!“ Das heißt übersetzt: „Du kannst dich auf den Kopf stellen. Ins Bett gehe ich ganz sicher nicht.“ Der Sohn arbeitet mit Lauten. Kurze Worte („Bäd“) bedeutet zum Beispiel, er möchte Schlafen. Die Verneinung davon ist das langgezogene „Bäääääääd“. Genauso macht er es mit allen anderen Wörtern. „Milch“ heißt, dass er etwas trinken möchte. „Miiiiiiiiiilch“dagegen: „Lass mich mit der Plörre bloß in Ruhe!“

Zwei Kinder, die gleichzeitig nicht in ihr Bett wollen, sind eine Herausforderung an Geduld, Erfindungsreichtum und Logistik. Ich habe versucht, beide zusammen in ein Bett zu packen. Dann liegen sie kurz friedlich nebeneinander, bis das erste Kuscheltier im Gesicht der Tochter landet. Die feuert zurück.

Und dann geht es mit viel Gegacker hin und her, bis beide schließlich so wach sind, dass an Schlaf in den nächsten zwei Stunden überhaupt nicht mehr zu denken ist.

Ich hab es mit Schmeicheln und Singen versucht: „Müde bin ich geh zur Ruh...Lalelu.“ Sohn: „AUF! HÖRN!“, Tochter: „Du singst blöd!“ Mit Strenge. „Ins Bett! SOFORT!“ Sohn: „Bääääääd!“, Tochter: „No way!“ Mit Erpressung: „Wenn ihr jetzt nicht schlaft, gibt es nie wieder Eis.“ Sohn: „Eis!!!!“ Tochter: „Huahua, aber ich hab dich so lieb, du bist die liebste Mama der Welt. Deshalb kann ich nur schlafen, wenn ich neben dir liege, meine liebste Mama.“ Grrrrr. Wo ist eigentlich der Sohn geblieben? Sohn kommt die Treppe hoch mit einem Kaktuseis für sich und einem für die Schwester. „Eis!“, sagt er stolz.

Das interessante ist, dass es nicht nur mir so geht. Wenn man im Bekanntenkreis mal vorsichtig andeutet, dass die Kinder in den letzten Tagen (ähem) immer im Ehebett schlafen wollen, beichten plötzlich auch alle anderen Eltern, dass ihre Kinder bei ihnen schlafen. Im Grunde bräuchte es überhaupt gar keine Kinderbetten mehr. Oder nur solche mit meterhohen Gitterstäben und Handschellen.

Was soll’s. Die Höhlenmenschen haben es auch nicht anderes gemacht. Schön eng aneinandergekuschelt. Nestwärme nennt man das. Spätestens wenn die Kinder heiraten wird das schon aufhören.

Das Ende vom Lied ist jedenfalls, dass nun immer zwei Kinder mit im Erwachsenenbett liegen. Es ist erstaunlich, wie viel Platz solche kleinen Wesen beanspruchen, wenn sie Arme und Beine weit von sich strecken. Manchmal, wenn ich zu sehr an den Rand gedrückt werde, oder mir plötzlich ein kleiner Arm ins Gesicht geschleudert wird, stehe ich mitten in der Nacht auf. Und dann lege mich ins Prinzessinenbett.

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