Kommentar

AfD - Vom Ende einer Partei in Zeiten der Euro-Krise

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In einer Zeit, da die AfD mit ihrem Urthema Europa und Euro Hochkonjunktur haben müsste, zerfällt die Partei, sagt Jochim Stoltenberg.

Ganz schön anmaßend von einer Parteivorsitzenden, einen Mitgliederschwund von mal eben 20 Prozent als „nicht schlimm“ zu bezeichnen. Natürlich war nach dem chaotischen Parteitag der AfD in Essen samt Abwahl des Parteigründers Bernd Lucke mit Austritten zu rechnen. Inzwischen weitet sich die Austrittswelle mit Lucke an der Spitze allerdings zu einer veritablen Flut. Dass unter den Flüchtigen mit Hans-Olaf Henkel oder dem früheren Berliner Unternehmer Hans Wall vor allem Stimmenfänger für die AfD im frustrierten bürgerlichen Lager zu finden sind, sollte der neuen Vorsitzenden Frauke Petry eigentlich zu denken geben.

Als einen „Befreiungsschlag“ hat sie das Ergebnis des Spaltungsparteitags gepriesen. Bleibt die Frage, wohin die neue Freiheit die AfD führen soll. Nimmt man die Argumente der Abtrünnigen ernst – und das darf man getrost nach Diskussion und Atmosphäre beim Parteitreffen –, dann wird die Partei schnurstracks hin zur Total-Opposition nah an der Pegida-Bewegung marschieren. Mit besonders scharfer Frontstellung gegen alles, was eine liberale, weltoffene Gesellschaft ausmacht in einer zunehmend vernetzten Welt, die die nationalen Grenzen längst gesprengt hat.

Das einzig Beruhigende an dieser Entwicklung bleibt, dass die neue Parteichefin und die an ihrer Seite verbliebenen Hardliner nicht gerade populäre Wahlkämpfer, gar Volkstribunen sind. Mit der Folge, dass sich die AfD – anders als die Le-Pen-Bewegung in Frankreich – im Bund und demnächst wohl auch wieder in den Ländern unter der Fünf-Prozent-Hürde bewegen wird. Und das in einer Zeit, da die AfD mit ihrem doch eigentlichen Urthema Europa und Euro angesichts der Griechenland-Krise Hochkonjunktur haben müsste.

Aber diese Erschütterung der EU in ihren Grundfesten konnte auch der professoral autoritäre Lucke nicht dauerhaft in eine solide Pro-Stimmung für sich und eine AfD nach seinen Vorstellungen nutzen. Einer „Weckruf“- Partei, sollte er sie denn gründen, wird wohl erneut kein Langstrecken-Höhenflug bevorstehen. Das liegt auch daran, dass die etablierten Parteien inhaltlich und personell ziemlich breit aufgestellt sind. Das kommt im Fall der Selbstmarginalisierung der AfD vor allem Angela Merkels CDU zugute.

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