Politik

Richtfeste tun gut

In der Berliner Kultur ist ein neuer Trend auszumachen: Richtfeste auf Baustellen. Anfang Juni fanden sich die Feierwilligen am Berliner Schloss ein, das sich wegen des neuen Geschichtsbewusstseins lieber Humboldt-Forum nennen lässt. Wenige Tage später traf man sich in der Barenboim-Said-Akademie, die 2016 im früheren Magazingebäude der Staatsoper eröffnet werden soll. In dieser neuen Berliner Musikhochschule führte Stardirigent Daniel Barenboim schon mal den grandiosen, heranwachsenden Konzertsaal von Architekt Frank Gehry vor. Am Donnerstag nun kamen alle Beteiligten auf der Großbaustelle der Staatsoper Unter den Linden zusammen.

Traditionsgemäß werden unter den Richtkronen Dankesworte und Zuversicht verbreitet und Weingläser zerschmissen. Richtfeste sind zweifellos ein guter Trend für Berlin. Das ganze Treiben hat nichts mehr mit der früheren Partystadt zu tun, in der alles arm, aber sexy gewesen sein soll. Und hinter der Fassade die Großbaustellen unbemerkt Millionen um Millionen von Euro verschlucken konnten. Gerade auch die Staatsopernsanierung war alles andere als sexy. Die Baukosten sind in skandalöser Weise auf fast 400 Millionen Euro gestiegen, die Bauzeit hat sich um vier auf insgesamt sieben Jahre verlängert. Ein Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus fahndet inzwischen nach den Ursachen. Aber selbst, wenn am Ende nur wenig Faktisches herauskommt, keine Schuldigen benannt werden können, die Stimmung ist längst gekippt. Die Berliner Politik hat verstanden, dass mit risikobelasteten, undurchschaubaren Kulturbaustellen verantwortungsbewusster und vor allem ehrlicher umgegangen werden muss. Es ist zugleich eine klare Ansage an alle anderen Beteiligten.

Die Richtfeste sind ein gern gesehener symbolischer Akt. Im Fall der Staatsoper sind damit die Zeiten vorbei, in denen sich die Verantwortlichen von einer Verschiebung zur nächsten hangelten. Hinter das Versprechen, die sanierte Oper 2017 wieder zu eröffnen, kann jetzt wohl keiner mehr zurück.