Kiel –

Keine Noten in Grundschulen im Norden

Schleswig-Holstein legt Zeugnisse ohne Noten vor

Kiel –.  Eine Unterhaltung zwischen Viertklässlern in Schleswig-Holstein könnte nach der Zeugnisausgabe bald so ablaufen: „Hast Du in ,Konfliktfähigkeit‘ auch ein ,überwiegend unsicher‘ bekommen?“ – „Nein, nur ein ,teilweise sicher‘, dafür hab ich in ,Muster und Strukturen‘ ein ,überwiegend sicher‘.“ In der ersten Klasse der deutschen Grundschulen gibt es bereits jetzt keine Noten mehr, danach wird das sechsstufige Notensystem eingeführt. Nun hat Britta Ernst (SPD), Bildungsministerin von Schleswig-Holstein, Musterzeugnisse vorgestellt, die ab dem kommenden Schuljahr in ihrem Bundesland in drei Jahren verbindlich sind. Sie ersetzen in der dritten und vierten Klasse die Notenzeugnisse.

Es gibt nun Dutzende Kriterien, darunter eben auch „Konfliktfähigkeit“, was unter den „überfachlichen Kompetenzen“ firmiert oder „Muster und Strukturen“ in der „Mathematik“. „Eine differenzierte Leistungsbewertung wird einem Kind mit seinem individuellen Leistungsstand besser gerecht als eine Note“, sagt Ernst. Jede Kompetenz kann mit fünf Graden bewertet werden: sicher, überwiegend sicher, teilweise sicher, überwiegend unsicher, unsicher. Eltern haben in der Vergangenheit immer wieder beklagt, dass sie sich transparente, leicht verständliche Bewertungen wünschen. Dem Wunsch kommt das fünfstufige System nach – und es beschäftigt die Lehrer. Wer Zeugnisse für 30 Schüler mit je 37 Kriterien, für die je fünf Stufen möglich sind, entwickeln muss, ist gut beschäftigt.

Das Kompetenzzeugnis steht exemplarisch für den Weg der Schulpolitik: Die Bedeutung von prüfbarem Wissen wird verringert, der Erwerb von Kompetenzen rückt an seine Stelle.