Oberursel/Wuppertal –

Frau des mutmaßlichen Islamisten-Paares aus Oberursel wieder frei

Amtsgericht Frankfurt hebt Haftbefehl auf

Oberursel/Wuppertal –. Mehr als zwei Monate nach der Festnahme eines mutmaßlichen islamistischen Ehepaares aus dem hessischen Oberursel ist die Frau aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Amtsgericht Frankfurt am Main hob am Mittwoch bei einem Haftprüfungstermin den Haftbefehl auf, wie ein Gerichtssprecher sagte. Als Anschlagsziel war nach der Festnahme des Paares Ende April ein Radrennen in Frankfurt vermutet worden, das daraufhin abgesagt wurde.

Der dringende Tatverdacht gegen die Frau sei nach Ansicht des Richters nicht mehr aufrechtzuerhalten gewesen, sagte der Gerichtssprecher. Die Ermittlungen gegen das Paar würden aber fortgesetzt. Ihr Ehemann sitzt zudem weiter in Untersuchungshaft. Gegen das Ehepaar wird unter anderem wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt.

Die beiden mutmaßlichen Islamisten aus Oberursel in der Nähe von Frankfurt waren Ende April festgenommen worden. Die Ermittler fanden bei dem Paar eine „funktionsfähige Rohrbombe“, Munition und Waffenteile. Der festgenommene Mann hatte den Ermittlern zufolge Kontakt zur radikalislamischen Salafistenszene. Ein mögliches Anschlagsziel war ein für den 1. Mai geplantes traditionelles Radrennen in Frankfurt, das deshalb aus Sicherheitsgründen abgesagt wurde.

Der Verteidiger der nun aus der U-Haft entlassenen Frau, Mutlu Günal, sagte „Spiegel Online“: „Meine Mandantin hätte niemals festgenommen werden dürfen.“ Sie habe „keinerlei Kenntnis“ von der Bombe gehabt, das habe sie auch immer wieder betont. Es sei „eine Schande für die Justiz“, dass es bis zu dieser Erkenntnis so lange gebraucht habe.

Unterdessen beschäftigten weitere mutmaßlich gewaltbereite Islamisten die Ermittlungsbehörden. In Wuppertal haben Spezialkräfte der Polizei einen Mann vorläufig festgenommen. Dadurch sei eine „offenbar unmittelbar bevorstehende Ausreise“ in das syrisch-irakische Kriegsgebiet verhindert worden, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Gegen den 21-Jährigen wurde ein Ausreiseverbot verfügt, zudem sollte sein Reisepass eingezogen werden. Der Mann werde als gewaltbereit eingeschätzt und sei als Träger von Waffen auffällig geworden, teilte die Polizei mit. Wuppertal gilt als Hochburg radikaler Islamisten.

Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht bestritt ein Islamist aus Mülheim, sich dem IS in Syrien angeschlossen zu haben. Er habe zwar im Dschihad kämpfen wollen und sei nach Syrien gereist, um zum IS zu gelangen. Dann habe er es aber mit der Angst zu tun bekommen, sagte der 22-Jährige beim Prozessauftakt vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht aus. Ohne zu kämpfen sei er wieder abgereist. Die Bundesanwaltschaft hält den Mann für einen Terroristen, der sich in Syrien an Kämpfen beteiligt hat.