Neuer Prozess

Boston-Bomber will Todesurteil kippen

Verteidiger von Dschochar Tsarnaev beantragen einen neuen Prozess

Boston –.  Der zum Tode verurteilte Boston-Bomber Dschochar Tsarnaev will das Urteil gegen ihn vor Gericht anfechten. Seine Verteidiger reichten entsprechende Unterlagen ein, wie die Zeitung „Boston Globe“ berichtete. Es hieß, ein neuer Prozess sei „im Interesse der Gerechtigkeit“ notwendig. Formell soll die Berufung bis Mitte August eingereicht werden. Durch das Berufungsverfahren könnte sich der Prozess in Boston noch über Monate oder gar Jahre hinziehen.

Eine Jury am Bundesgericht von Boston hatte Tsarnaev Mitte Mai zum Tode verurteilt. Die Geschworenen befanden den 21-Jährigen für schuldig, gemeinsam mit seinem bei der Festnahme getöteten Bruder Tamerlan im Jahr 2013 im Zielbereich des Boston-Marathons zwei selbst gebaute Sprengsätze zur Explosion gebracht zu haben.

Bei den Opfern entschuldigt

Drei Menschen wurden bei dem schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001 getötet, mehrere der 264 Verletzten verloren Arme oder Beine. Auf der Flucht erschoss das Bruderpaar zudem einen Polizisten.

Bei der offiziellen Verkündung des Todesurteils im vergangenen Monat hatte sich Tsarnaev bei den Opfern und Hinterbliebenen entschuldigt. „Ich bereue die Leben, die ich genommen habe, und das Leid und den Schaden, den ich angerichtet habe“, sagte der junge Mann.

Die Tsarnaev-Brüder stammen aus einer tschetschenischen Familie und waren als Kinder mit ihren Eltern in die Vereinigten Staaten eingewandert. Dschochar Tsarnaev ist seit 2012 US-Staatsbürger und studierte an der University of Massachusetts in Dartmouth Meeresbiologie. Sein älterer Bruder Tamerlan hatte sich dem radikalen Islam zugewandt und soll bei einem Aufenthalt im Kaukasus Anfang 2012 Kontakt zu extremistischen Gruppen gehabt haben. Bereits Anfang 2011 hatte der russische Geheimdienst FSB die US-Bundespolizei FBI darüber informiert, dass Tamerlan Tsarnaev „Anhänger eines radikalen Islam“ sei. Er habe sich stark verändert und treffe Anstalten, sich in Russland Untergrundorganisationen anzuschließen. Aufgrund der russischen Hinweise befragte das FBI ihn und seine Verwandten, konnte aber keine Beweise für terroristische Aktivitäten finden.

Die Verteidigung von Dschochar Tsarnaev hatte argumentiert, dass dieser unter dem Einfluss seines älteren Bruders gehandelt habe, er sei Mitläufer gewesen. Dafür sei die Todesstrafe nicht angemessen. Die Verteidigung konnte das Todesurteil aber nicht abwenden. Es soll nun angefochten werden.