Kinderwunsch

Schwesig will Unverheirateten künstliche Befruchtung zahlen

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Familienministerin will die staatliche Förderung für künstliche Befruchtungen erweitern. Auch ohne Trauschein soll es Hilfe geben.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will die staatliche Förderung für künstliche Befruchtungen, die bislang Ehepaaren vorbehalten ist, auf Paare ohne Trauschein ausweiten. Sie könne nicht verstehen, „warum wir es Paaren so schwermachen, die sich nichts sehnlicher als ein Kind wünschen“, sagte Schwesig der „Bild am Sonntag“. Nur Ehepaaren die Kinderwunschbehandlung zu bezahlen, gehe „total an der Lebenswirklichkeit vorbei“, weil sich auch Paare ohne Trauschein Kinder wünschten. Angesichts der niedrigen Geburtenrate in Deutschland warf die Ministerin zudem der Wirtschaft eine Mitschuld vor, da sie immer mehr befristete Jobs angebiete.

„Ganz viele haben zwar einen Kinderwunsch, realisieren ihn aber nicht, weil sie in der Arbeitswelt an Hürden stoßen. Befristete Arbeitsverträge wirken stärker auf die Geburtenrate als die Pille“, sagte Schwesig. „Wer sich von Jahresvertrag zu Jahresvertrag hangelt, traut sich oft nicht, sich für ein Kind zu entscheiden.“ Die Zahl grundlos befristeter Jobs sei seit 2001 auf 1,3 Millionen gestiegen.

100-Millionen-Euro-Programm für Kitas mit langen Öffnungszeiten

Die Sozialministerin forderte Unternehmer auf, mehr Rücksicht auf die Belange von Familien zu nehmen. Vollzeit arbeiten, über Handy und Mails rund um die Uhr zur Verfügung stehen, und sich gleichzeitig um Kinder und pflegebedürftige Eltern kümmern, das bringe Familien an die Grenze ihrer Belastung. Um berufstätige Frauen zu entlasten kündigte Schwesig ein 100-Millionen-Euro-Programm für Kitas mit langen Öffnungszeiten an.

Der familienpolitische Sprecher der CDU-CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg, forderte die Ministerin auf, in puncto künstlicher Befruchtung erst einmal für bundesweit einheitliche Regeln zu sorgen. So würden Ehepaare mit Kinderwunsch in Dresden und Schwerin deutlich mehr staatliche Zuschüsse erhalten als etwa in Hamburg. Schwesig solle die sozialdemokratische Landesminister darauf verpflichten, 25 Prozent finanziellen Zuschuss zu leisten, forderte Weinberg.

Der CDU-Politiker wies darauf hin, dass Alter und stabile Beziehung für die Betroffenen – auch mit Blick auf eventuelle Kinder – eine wichtige Voraussetzung zur Bezuschussung der Kinderwunsch-Behandlung seien. Entsprechend habe das Bundessozialgericht entschieden, dass Krankenkassen bei unverheirateten Paaren keine Kosten übernehmen müssen. Nur in der Ehe sei die gesetzliche Verpflichtung zu gegenseitiger Übernahme von Verantwortung garantiert; davon profitierten auch die Kinder, so Weinberg. Im deren Sinne sollte der Staat bei einer finanziellen Unterstützung künstlicher Befruchtung auch Bedingungen für eine größtmögliche familiäre Stabilität formulieren.

Eine noch unveröffentlichte Studie des Delta-Instituts für Sozial- und Ökologieforschung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums zeigt, dass ein Viertel aller kinderlosen Deutschen zwischen 20 und 50 Jahren ungewollt kinderlos ist, wie die „Bild am Sonntag“ weiter berichtete. Nur 13 Prozent dieser Gruppe wollten grundsätzlich keine Kinder. Für die Mehrheit ist eine gewählte Kinderlosigkeit demnach nur eine zeitlich befristete Haltung.

( epd/dpa )

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