Klinikaufenthalt

Helmut Kohl geht es „Umständen entsprechend gut“

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Miguel Sanches

Altbundeskanzler Helmut Kohl liegt nach einer Operation im Universitätsklinikum Heidelberg. Laut seinem Büro gehe es ihm aber gut.

Das Konrad-Adenauer-Haus war ahnungslos, ebenso einstmals enge Mitstreiter. Aber es stimmt: Die Union muss sich Sorgen machen um Helmut Kohl. Der Altkanzler ist schwer erkrankt. Der 85-Jährige liegt im Krankenhaus. „Die Lage ist ernst“, bestätigte ein Kohl-Vertrauter der Berliner Morgenpost. Ärzte und Familie schweigen. Dass sie „bald“ eine Erklärung abgeben wolle, war am Dienstag pure Spekulation. Sein Büro teilte immerhin mit, ihm gehe es „den Umständen entsprechend gut“.

In dürren Worten heißt es da: „Es ist richtig, dass Herr Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl - wie von BILD am 8. Mai bereits berichtet - Anfang Mai eine Hüft-Operation hatte, die er sehr gut überstanden hat. Im Anschluss hat sich die Notwendigkeit eines weiteren Eingriffs ergeben, der den Klinikaufenthalt entsprechend verlängert hat. Den Umständen entsprechend geht es Dr. Helmut Kohl gut. Er wird im Anschluss wegen der neuen Hüfte in eine Reha gehen, die er zugleich mit Urlaub verbinden wird.“

Fest steht, Kohl wurde am 4. Mai in der Orthopädie der Uniklinik in Heidelberg ein neues Hüftgelenk eingesetzt. Der Altkanzler wohnt in der Nähe, in Ludwigshafen, und wurde schon mehrfach in Heidelberg behandelt. Den Ärzten, die ihn dort im Februar 2008 wegen seines Schädel-Hirn-Traumas – die Folge eines Sturzes – in der Notsituation operiert haben, verdankt der Christdemokrat sein Leben. Eigentlich war Anfang Juni eine Reha in Bayern geplant, die er mit Urlaub verbinden wollte. Das ist auch nach wie vor die offizielle Version.

Kohl hatte nach seiner Hüft-Operation in dem Klinikum in Heidelberg der „Bild“-Zeitung gesagt, er sei zufrieden, und wolle vor allem eines: „So schnell wie möglich wieder nach Hause.“ Im Anschluss an die Hüftoperation musste sich Kohl allerdings einem weiteren Eingriff unterziehen, diesmal am Darm, wie die „Bunte“ erfahren haben will. Die Illustrierte schreibt auch, dass er danach längere Zeit ohne Bewusstsein gewesen sein soll. Hatte es Komplikationen gegeben? Das würde erklären, warum der CDU-Politiker auf die Intensivstation verlegt wurde, wo er laut „Bunte“ schon seit Wochen liegt. Auch „Spiegel Online“ schrieb, Kohls Zustand sei kritisch.

Kaum mehr Kontakte zu Freunden

Dass dies jetzt bekannt wurde, kann natürlich die Folge einer Indiskretion sein. Wahrscheinlicher ist, dass der Zustand so kritisch ist, dass die Öffentlichkeit alarmiert wird. Kohl ist nicht irgendein Politiker, er ist schlechthin die Figur des öffentlichen Lebens. 16 Jahre hat er Deutschland regiert, länger als jeder Kanzler vor und nach ihm. Als Kanzler der Einheit ist ihm der Platz im Geschichtsbuch sicher.

Kohl lebt zurückgezogen, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, auch alte Freunde haben kaum noch Zugang zu ihm. Es verwundert nicht, dass selbst die CDU gestern von der Meldung überrascht wurde. Zuletzt hatte Kohls mit einem Rechtsstreit um die Urheberrechte für ein Interview-Buch – „Vermächtnis – die Kohl-Protokolle“ – für Schlagzeilen gesorgt.

( dpa/bee )

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