Gedenken

Berlin erinnert an das Ende des Zweiten Weltkriegs

Bei einer Gedenkfeier zum Kriegsende betont Steinmeier die Verantwortung Deutschlands für den Frieden in der Welt. Berlins Regierungschef Müller fordert eine „Willkommenskultur“ für Flüchtlinge.

Die Pferde der Quadriga als Gerippe – am Brandenburger Tor in Mitte erinnern Skulpturen des mexikanischen Künstlers Gustavo Aceves an das Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin vor 70 Jahren. Laut Aceves sind die Gerippe zudem Symbol für afrikanische Flüchtlinge und ihren tödlichen Weg über das Meer. Zwar wollte eine Bezirksjury die Skulpturen verhindern. Dennoch passt ihre Bedeutung dazu, was der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Sonnabend auf einer Gedenkfeier im Abgeordnetenhaus sagte: Sich der Verantwortung für eine friedlichere Welt zu stellen, das heiße auch, „Flüchtlinge in der Stadt willkommen zu heißen“.

Zuvor hatte Müller einen Kranz vor dem Haus am Schulenburgring in Tempelhof abgelegt. Und damit drei weitere Geschichten ins Bewusstsein geholt. Eine weltpolitische, eine persönliche – und eine, die immer noch geschrieben wird. Erstens: In einer improvisierten Kommandozentrale in diesem Haus endete am 2. Mai 1945 der Zweite Weltkrieg in Berlin mit einem Vertrag zwischen Deutschen und Sowjets. Sechs Tage vor der Kapitulation. Adolf Hitler hatte sich am 30. April umgebracht. Zweitens: Müller ist in diesem Haus aufgewachsen, sein Vater lebt noch immer dort. Jeder Deutsche ist eben mit der Geschichte verwoben. Drittens: „Gerade auch dieser Ort“, sagte Müller, erinnere daran, dass die Befreiung Deutschlands auch der Roten Armee zu verdanken sei.

Dass an der Kranzniederlegung auch Wladimir Michailowitsch Grinin teilnahm, Botschafter der Russischen Föderation, führt in die Gegenwart. Zu jenem Teil der Geschichte, der weiter geschrieben wird. Wie ist das deutsch-russische Verhältnis, seit die Deutschen den von ihnen angezettelten Krieg verloren haben? Es beginnt mit der Roten Armee, die unter großen Opfern die Stadt befreite. Daraus wurde die Geschichte der Teilung Berlins. Heute ist das Verhältnis belastet seit der Annektion der Krim unter der Regie von Russlands Präsident Wladimir Putin.

Berlin schuldet der Sowjetunion „Dankbarkeit und Respekt“

Auch Bundespräsident Joachim Gauck hat an die Verdienste der Sowjets erinnert. Seine Sätze betreffen besonders Berlin. „Dankbarkeit und Respekt“ schuldeten die Deutschen den Völkern der Sowjetunion, sagte Gauck der „Süddeutschen Zeitung“ – das gelte „ungeachtet der Tatsache, dass die sowjetischen Befreier nach dem Krieg als Besatzer im Osten Deutschlands für Unfreiheit, Unterdrückung und Verfolgung gesorgt haben“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, für sie werde es „ein sehr wichtiger Moment sein“, wenn sie am 10. Mai nach Russland fahre. „Wir haben mit Russland im Augenblick sehr tief gehende unterschiedliche Meinungen – gerade auch über die Fragen dessen, was in der Ukraine abläuft“, sagte sie. „Und trotzdem ist es mir wichtig, am 10. Mai dort gemeinsam mit dem russischen Präsidenten einen Kranz am Mahnmal des unbekannten Soldaten niederzulegen.“

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erinnerte im Abgeordnetenhaus an das Verhältnis zu den Siegermächten. Mit Blick auf Partner wie die USA, Polen – aber eben auch Russland – sagte er: „Die Hand, die Sie uns gereicht haben, die lassen wir nie wieder los.“

Interaktive Bildergalerie: Berlin 1945 und heute