Sachsen-Anhalt

20.000 Euro Belohnung für Hinweise zu Tröglitz-Tätern

Von den Brandstiftern des Flüchtlingsheims in Tröglitz fehlt weiter eine Spur. Nun ermitteln 17 Beamte in alle Richtungen. Und auch eine Belohnung zur Ergreifung der Täter wurde ausgesetzt.

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Das Land Sachsen-Anhalt hat für Hinweise, die zur Ergreifung der Brandstifter von Tröglitz führen, 20.000 Euro Belohnung ausgesetzt. Das teilte der Direktor des Landeskriminalamts, Jürgen Schmökel, am Dienstag in Magdeburg mit. Eine Ermittlungsgruppe („Kanister“) aus 17 Beamten ermittle in alle Richtungen.

Am Sonnabend hatten Unbekannte in Tröglitz ein Wohnhaus angezündet, in dem Flüchtlinge unterkommen sollten. Vermutet werde, dass der Anschlag aus dem rechten Spektrum heraus begangen wurde. Allerdings werde auch erwogen, dass die Tat begangen wurde, um das politische Spektrum zu diskreditieren.

Die Ermittler würden am Mittwoch eine umfangreiche Befragung im Ort starten, sagte Schmökel. Die Täter seien mit Gewalt in das Gebäude eingedrungen und hätten an mehreren Stellen Brandbeschleuniger verwendet. Laut Schmökel hatten sie Kanister dabei.

„Tröglitz ist kein Einzelfall“

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), hat unterdesseb die Bundespolitik aufgefordert, stärker gegen Fremdenhass vorzugehen. Tröglitz dürfe nicht als Einzelfall betrachtet werden, es handele sich um ein bundesweites Problem, sagte Haseloff. Ähnlich äußerten sich die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), sowie der Zentralrat der Juden in Deutschland.

Auch in anderen Bundesländern habe es Proteste und Anschläge auf geplante Flüchtlingsunterkünfte gegeben, betonte Haseloff. Die Zahl der Übergriffe steige insgesamt deutlich an. „Tröglitz ist überall“, sagte der CDU-Politiker. Die Bundesregierung daher dürfe die Kommunen mit der Aufgabe, sich um Asylbewerber zu kümmern, nicht alleine lassen. Es reiche nicht, nur fiskalpolitisch über Asylbewerber zu sprechen: „Wir müssen unsere moralische und gesellschaftliche Pflicht in den Vordergrund stellen“, so Haseloff.

Asylbewerber sollen in Privatwohnungen einziehen

In Tröglitz im sollen nach Angaben von Landrat Götz Ulrich (CDU) im Mai oder Juni die ersten Asylbewerber in Privatwohnungen einziehen. Wann genau die angepeilten 40 Flüchtlinge untergebracht sein werden, sei noch nicht klar, sagte Ulrich am Dienstag in Magdeburg. Es gebe mehrere Angebote von Einwohnern, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, teilte der Landrat mit. An Ostern hätten die Räume noch nicht begutachtet werden können – das solle in den kommenden Tagen geschehen. Es stehe noch nicht fest, aus welchen Herkunftsländern die Asylbewerber kommen werden.