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„Pille danach“ bald rezeptfrei - Was Frauen wissen müssen

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Der Bundesrat hat den Weg für eine rezeptfreie „Pille danach“ frei gemacht. Frauen sollten sich aber beraten lassen. Die Kirche kritisiert die Entscheidung.

Der Weg für die „Pille danach“ ohne Rezept ist frei. Der Bundesrat stimmte am Freitag einer entsprechenden Verordnung der Bundesregierung zu. Voraussichtlich ab Mitte März soll das Notfallverhütungsmittel ohne Verschreibung durch einen Arzt in den Apotheken erhältlich sein.

Bei den künftig rezeptfreien Präparaten handelt es sich um ellaOne (Wirkstoff Ulipristalacetat) und um Mittel mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (PiDaNa). Allerdings wollte die Länderkammer sichergestellt wissen, dass der Verkauf der Präparate nicht per Versandhandel möglich ist.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) entsprach mit der Anpassung der Arzneimittelverschreibungsverordnung einer Entscheidung der EU-Kommission. Gröhe setzt nun darauf, dass die Apotheker die Beratung leisten, die bisher die verschreibenden Ärzten übernommen hatten.

Was Frauen beachten sollten

Frauen gehen aber besser selbst in die Apotheke und holen sie ab. Schicken sie nach einer Verhütungspanne etwa ihren Partner, kann der Apotheker die Herausgabe verweigern. Darauf weist Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, hin. Etwa wenn er Zweifel hat, dass es sich um einen Notfall handelt oder annimmt, dass das Medikament missbräuchlich angewendet werde.

Außerdem sei eine Beratung zur „Pille danach“ wichtig, etwa um abzuklären, ob die Einnahme für die Betroffene unbedenklich oder ob nicht doch ein Arztbesuch notwendig ist. Die „Pille danach“ ist kein Verhütungsmittel und nur für den Notfall gedacht, wie Kiefer betont.

Durch die Einnahme der „Pille danach“ kann sich der Zyklus verschieben, die Menstruation stärker werden, oder es können Schmierblutungen entstehen. Auch Schwindel, Kopfschmerzen, Spannungsgefühle in der Brust, Übelkeit oder Erbrechen können auftreten. Wenn man sich innerhalb von etwa zwei bis drei Stunden nach der Einnahme übergibt, kann es sein, dass die „Pille danach“ nicht mehr wirkt.

Kirche gegen „Pille danach“

Die Bundesapothekerkammer sicherte eine „kompetente und diskrete Beratung“ der Betroffenen zu. Nach Angaben von Kammerpräsident Andreas Kiefer wird die „Pille danach“ ab dem 15. März rezeptfrei in den Apotheken erhältlich sein. In einer Handlungsanweisung wird den Apotheken aber empfohlen, die „Pille danach“ nur an die betroffene Frau persönlich und nicht an Boten und auch nicht „auf Vorrat“ abzugeben. Mädchen unter 14 Jahren wird ein Arztbesuch geraten, „sie bekommen diese Medikamente im Regelfall nicht in der Selbstmedikation“, erklärte Kiefer.

Die katholischen Bischöfe halten die Beschlüsse für bedenklich. „Die Einnahme der 'Pille danach' kommt nach Auffassung der Deutschen Bischofskonferenz nur unter Beachtung sehr strenger Bedingungen in Betracht“, sagte ihr Sprecher Matthias Kopp AFP. „Im Hinblick auf einen rezeptfreien Zugang zu diesem Präparat ergeben sich schwerwiegende Bedenken.“

Kassen übernehmen nur teilweise die Kosten

Die katholischen Bischöfe waren vor zwei Jahren von ihrem grundsätzlichen Nein zur Verschreibung der „Pille danach“ für vergewaltigte Frauen abgerückt. Das Medikament könne eingesetzt werden, wenn es lediglich verhütend und nicht abtreibend wirke, hieß es damals.

Für junge Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten, sofern sie ein Rezept vorlegen. Andernfalls müssen sie die Pille nach Beratung in der Apotheke aus eigener Tasche bezahlen.

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