Abhängen in Göttingen

Als Ursula von der Leyen noch ein bisschen Hippie war

Bei der Vorstellung eines Buches über Ursula von der Leyen fragt sich das politische Berlin, ob sie die nächste Kanzlerin wird. Und Jürgen Trittin enthüllt, wie sie damals als Studentin so war.

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Die Deutschen haben ein Bild von ihrer Verteidigungsministerin. Ursula von der Leyen (CDU) ist eine zielstrebige Frau, ehrgeizig, machtbewusst. Alles macht sie in einem unerhörten Tempo: Erst sieben Kinder zur Welt bringen, dann noch eine schnelle Karriere in der Politik machen, womöglich wird sie irgendwann Bundeskanzlerin.

So war sie nicht immer. Ende der 70er-Jahre, in Göttingen, studierte sie so vor sich hin, interessierte sich nicht wirklich für Volkswirtschaftslehre, trug wallende Kleider, stand morgens nicht so früh auf. Jürgen Trittin nennt das "hippieeskes Abhängen". Der Grünen-Politiker Trittin, der auch in Göttingen studierte und später Umweltminister wurde, stellt am Montagabend in Berlin ein Buch über die Verteidigungsministerin vor. "Operation Röschen. Das System von der Leyen" haben die "Zeit"-Journalisten Peter Dausend und Elisabeth Niejahr ihr Buch genannt.

Quereinsteigerin, die die Inszenierung beherrscht

Es sind viele bekannte Gesichter gekommen zur Buchvorstellung ins Restaurant Dottir in der Mittelstraße, SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, "Spiegel"-Hauptstadtbüroleiter Nikolaus Blome, "Bild"-Kolumnist Hugo Müller-Vogg , Jörg Thadeusz vom RBB moderiert. Keine Frage: Die Frau, um die es in dem Buch geht, ist interessant. Natürlich weiß niemand, ob Ursula von der Leyen die nächste Kanzlerin wird. Aber das Spekulieren macht dem politischen Berlin einfach viel Spaß.

Das Buch ist keine klassische Biografie, die statisch und kleinteilig die Stationen der Politikerin beschreibt. Es geht den Autoren mehr darum, den Politikstil von der Leyens zu beschreiben und zu analysieren. Peter Dausend sieht in ihr vor allem eine Quereinsteigerin, die die Inszenierung beherrscht. Mit Hilfe der Medien habe sie, so sagt es der Autor, populäre Themen besetzt – und so die CDU, in der sie nicht beliebt ist, auch ein Stück weit verändert und modernisiert.

Elisabeth Niejahr hält von der Leyen für eine Politikerin, "die sich was traut" – die Verteidigungsministerin sei da ganz anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Autorin sieht in von der Leyen sogar eine romanhafte Figur – und im Vergleich zu dem oft eher blassen politischen Personal ist sie das auch.

Trittin traut von der Leyen Schwarz-Grün

Das Thema ist also spannend, das Buch auch – nur Jürgen Trittin erzählt manchmal ein bisschen zu langatmig von seinen Studententagen in Göttingen, die ihn offenbar sehr geprägt haben. Überhaupt ist er ambivalent, wenn er über von der Leyen spricht, will sich nicht festlegen. Eine gewisse Bewunderung ist schon rauszuhören, dann kritisiert er eher verhalten ihre Sicherheitspolitik, sagt als Grüner natürlich auch, dass er alles tun will, um eine Kanzlerin von der Leyen zu verhindern.

Die Verteidigungsministerin hält er, wie es auch Autor Dausend tut, für flexibel genug, eine schwarz-grüne Koalition zu bilden, wenn sie dadurch nur selbst Kanzlerin werden kann. Bei der Frage, ob er gern Vizekanzler unter von der Leyen wäre, ziert sich Trittin – und schraubt einen Satz zusammen, der alles mögliche bedeuten kann: Als Grüner würde es sich verbieten, sich nach einem Amt zu sehen, dass mit der Kanzlerschaft einer CDU-Politikerin zusammenhängt.

Peter Dausend/Elisabeth Niejahr: Operation Röschen. Das System von der Leyen. Campus Verlag. 240 Seiten. 19.99 Euro.