Erziehung

Papst findet „würdevolles Schlagen von Kindern“ in Ordnung

Bei seiner wöchentlichen Generalaudienz hat Papst Franziskus eine Anekdote über einen Vater erzählt, der sein Kind geschlagen hat. Sein Kommentar: „Er muss sie bestrafen, aber tut es gerecht.“

Seine Kinder zu schlagen ist aus Sicht von Papst Franziskus in Ordnung – solange dabei deren Würde geachtet werde. Das erklärte das Kirchenoberhaupt diese Woche bei seiner wöchentlichen Generalaudienz, die der Rolle von Vätern in der Familie gewidmet war.

Bei der Gelegenheit gab Franziskus preis, was für ihn einen guten Vater ausmache. Dies sei jemand, der vergebe, aber „mit Bestimmtheit zu korrigieren“ vermöge, ohne dabei das Kind zu entmutigen.

Dazu erzählte der Papst eine Anekdote: „Einmal habe ich einen Vater bei einem Treffen mit Ehepaaren sagen hören: 'Ich muss manchmal meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen'“.

„Wie schön!,“ erklärte Franziskus. „Er weiß um den Sinn der Würde. Er muss sie bestrafen, aber tut es gerecht und geht dann weiter.“

„Aussage völlig daneben“

Die Haltung stößt auf deutliche Kritik, auch wenn Rainer Becker, der Vorstandvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe - Die Kindervertreter e. V., zunächst sagt: „Ich mag diesen Papst, weil er so besonders menschlich ist.“ Aber: “Jeder Mensch kann auch einmal irren. Mit seiner Aussage, dass es in Ordnung sei, Kinder zu schlagen, wenn dies in Würde geschehe, liegt er, so oft er sonst Recht haben mag, völlig daneben.“

Becker stellt klar, dass seit November 2000 in Deutschland – mit der Neufassung des Paragraphen 1631 Bürgerliches Gesetzbuch – jegliche physische und auch psychische Gewalt gegen Kinder – auch zu Erziehungszwecken – verboten ist. Sie stelle damit eine strafbare Körperverletzung dar. „Dies gilt für Eltern genauso wie für katholische Geistliche.“

„Dies ist auch gut so, denn es gibt kein würdevolles Schlagen eines anderen Menschen. Schläge demütigen den Geschlagenen, ganz gleich aus welcher Motivation heraus sie erfolgen und ganz gleich wohin sie gehen, weil der Geschlagene vom Schlagenden unterworfen wird.“ Mit seiner Aussage mache sich der Papst mitschuldig, so Rainer Becker weiter, wenn auch nur einem einzigen Kind unter Verweis auf seine Aussage Schmerzen zugefügt werden. „Daher appelliere ich an unseren Heiligen Vater, seine Aussage schnellstmöglich zu korrigieren.“

„Zu Wachstum und Reife verhelfen“

Auf Nachfrage verteidigte Vatikan-Vertreter Thomas Rosica die Thesen des Papstes. Dieser habe ganz offensichtlich nicht über Gewalt oder Grausamkeit gegenüber Kindern gesprochen, sondern vielmehr darüber, „jemanden zu Wachstum und Reife zu verhelfen.“ Wer habe nicht schon einmal sein Kind gezüchtigt oder sei von den Eltern gezüchtigt worden, schrieb Rosica in einer Email weiter.

Zudem verwies er auf Franziskus' Umgang mit Kindern. „Schauen Sie sich an, wie der Papst auf Kinder zugeht und lassen Sie die Bilder und Gesten für sich selbst sprechen.“ Darauf irgendetwas anderes ableiten oder verzerren zu wollen enthülle ein größeres Problem bei jenen, die offenbar einen Papst nicht verstanden hätten, der eine Revolution der Normalität eingeläutet habe, was einfache Sprache und Gesten anbelange, erklärte Rosica.

Harsche Kritik an Haltung zur Prügelstrafe

Allerdings regte sich an der Haltung der katholischen Kirche zur Prügelstrafe erst im vergangenen Jahr harsche Kritik von Mitgliedern eines UN-Menschenrechtskomitees. Das Gremium hatte die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention unter die Lupe genommen. Hintergrund waren Berichte über weit verbreiteten körperlichen Missbrauch in katholisch geführten Schulen und Institutionen. Besonders in Irland habe das Problem „endemische Dimensionen“ erreicht, hieß es.

In deren Abschlussbericht erinnerten Komiteemitglieder den Heiligen Stuhl daran, dass die Konvention ausdrücklich alle Unterzeichner dazu aufrufe, alle rechtlichen und pädagogischen Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor allen Formen von physischer und mentaler Gewalt zu ergreifen. Das gelte auch unter Obhut der Eltern.

Vor diesem Hintergrund wurde dem Heiligen Stuhl nahegelegt, nicht nur seine eigenen Gesetze zum Verbot der Prügelstrafe anzupassen, sondern Wege zu deren Umsetzung in katholischen Schulen und Einrichtungen in der ganzen Welt zu finden.

Der Vatikan argumentierte, dass er Prügelstrafe in keiner Weise fördere. Doch habe man keine rechtliche Handhabe, ein entsprechendes Verbot in katholischen Kirchen durchzusetzen. Im Übrigen sei man nur dafür verantwortlich, die UN-Kinderrechtskonvention innerhalb des Vatikanstaats umzusetzen, hieß es.

In rund 39 Ländern ist die Prügelstrafe in jeglicher Form verboten, auch in Familien, wo es oft zu Übergriffen kommt. Zu diesen Staaten zählen Deutschland, Schweden, der Südsudan und Turkmenistan. In den USA können Eltern ihre Kinder laut Gesetz schlagen, solange die Gewaltanwendung sich in einem „vernünftigen“ Rahmen bewege. In 19 US-Staaten ist dem Schulpersonal das „Versohlen“ junger Menschen noch immer gestattet.