„Charlie Hebdo“

Frankreich hält an höchster Alarmstufe fest

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Seit Mittwoch starben im Großraum Paris 20 Menschen - darunter drei mutmaßliche islamistische Terroristen. Nun sucht die Polizei die Hintermänner und die Lebensgefährtin eines Attentäters.

Unter Hochdruck fahndet französische Polizei nach der Lebensgefährtin des von Elite-Einheiten erschossenen islamistischen Geiselnehmers Amedy Coulibaly. Hayat Boumeddiene war am Samstag die meistgesuchte Frau Frankreichs. Nach der blutigen Anschlagsserie, bei der Islamisten in drei Tagen 17 Menschen töteten, hält die Sorge vor neuen Attentaten an: Die Regierung verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen weiter und schickt hunderte zusätzliche Soldaten auf die Straßen.

Die 26-jährige Boumeddiene ist die Lebensgefährtin des Islamisten Amedy Coulibaly, der am Freitag bei einer Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris vermutlich vier Menschen getötet hatte. Bei der Erstürmung des Geschäfts wurde der 32-Jährige von Spezialeinheiten der Polizei erschossen. Coulibaly soll bereits am Donnerstag – einen Tag nach dem Anschlag auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ mit zwölf Toten – in Montrouge südlich von Paris eine Polizistin erschossen und einen Mann schwer verletzt haben. Wegen dieses Angriffs wird auch Boumeddiene gesucht.

Taten offenbar abgestimmt

Die Anschlagsserie – die tödlichste in Frankreich seit mindestens 50 Jahren – hat das Land schwer erschüttert und tagelang in Atem gehalten. Nach einer fieberhaften Jagd wurden die mutmaßlichen „Charlie Hebdo“-Attentäter, die Brüder Chérif und Said Kouachi, am Freitagnachmittag von Polizisten erschossen. Sie hatten sich zuvor in einer Druckerei nordöstlich von Paris verschanzt. Beinahe zeitgleich schlugen die Sicherheitskräfte in dem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris zu, wo Coulibaly zahlreiche Geiseln genommen hatte.

Coulibaly und Chérif Kouachi kannten sich schon seit Jahren, offenbar stimmten sie ihre Taten ab. Coulibalys Lebensgefährtin Boumeddiene und Kouachis Ehefrau telefonierten nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr „mehr als 500 Mal“ miteinander. Chérif Kouachi erklärte vor seinem Tod, Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida im Jemen zu haben; Coulibaly bezeichnete sich als Mitglied der Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat (IS). Noch vom Supermarkt aus soll Coulibaly Bekannte telefonisch zu Angriffen auf weitere Ziele aufgefordert haben.

Al-Qaida-Ableger droht mit weiteren Anschlägen

Der Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) drohte am Freitag nach Angaben von US-Experten bereits mit neuen Attentaten. „Ihr werdet nicht mit Sicherheit gesegnet sein, so lange ihr Allah, seinen Verkünder und die Gläubigen bekämpft“, sagte der Aqap-Vertreter Harith bin Ghazi al-Nadhari in einem Video. Die Regierung in Washington warnte US-Bürger in aller Welt vor anhaltenden Bedrohungen.

Frankreichs Präsident François Hollande warnte noch am Freitagabend in einer Fernsehansprache, auch nach der Tötung der drei Täter bestehe die islamistische Bedrohung für das Land fort. „Wir dürfen nicht die Deckung runternehmen“, mahnte auch Premierminister Manuel Valls.

Nach einem erneuten Krisentreffen im Elysée-Palast verkündete Innenminister Bernard Cazeneuve am Samstagvormittag, die höchste Sicherheitsstufe des Anti-Terror-Plans Vigipirate werde im Großraum Paris beibehalten. Die Sicherheitsmaßnahmen sollten sogar noch verstärkt werden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen im Großraum Paris – der Region Ile-de-France – in „zwei Wellen“ 500 zusätzliche Soldaten eingesetzt werden. Damit seien am Samstag 1100 und am Sonntag 1350 Soldaten mobilisiert.

Hunderttausende zu Solidaritätsmarsch erwartet

Cazeneuve betonte, es würden „alle Vorkehrungen“ getroffen, um die Sicherheit bei dem am Sonntag geplanten Trauermarsch für die Opfer der Anschlagsserie zu gewährleisten. Zum „Republikanischen Marsch“ in der Pariser Innenstadt werden hunderttausende Menschen erwartet. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs haben sich angekündigt, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel begleitet wird.

Hollande nimmt ebenfalls an dem Gedenkmarsch teil. Seit dem Zweiten Weltkrieg war nur ein Mal ein französischer Staatschef bei einer Demonstration mitgelaufen: François Mitterrand im Mai 1990 nach der Schändung eines jüdischen Friedhofs.

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( dpa/AFP//BM )

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