Paris

Anschlag auf „Charlie Hebdo“ - Eliteeinheit sucht Verdächtige

Schwer Bewaffnete sind in die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris eingedrungen und haben das Feuer eröffnet. Zwölf Menschen starben. Die mutmaßlichen Täter wurden identifiziert.

Foto: CHRISTIAN HARTMANN / Reuters

Die französische Polizei fahndet mit einem Großaufgebot nach den Tätern des Terroranschlags auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Die Sondereinheit Raid sei an der Aktion in der Stadt in Reims - 150 Kilometer nordöstlich von Paris - beteiligt, hieß es am späten Mittwochabend von der Polizei. Zuvor hatte es Durchsuchungen in Straßburg sowie im Großraum Paris gegeben.

Medien berichteten am späten Abend, die mutmaßlichen Täter seien von der Polizei identifiziert worden. Es soll sich um die Brüder Said und Cherif K. aus Paris mit französischer Staatsangehörigkeit und den 18-jährigen Hamyd M. handeln.

Schwer bewaffnete Männer hatten am Mittwoch einen Angriff auf die Satirezeitung „Charlie Habdo“ in Paris verübt und dort um sich geschossen. Nach Angaben der Polizei drangen die beiden Männer mit jeweils einer „Kalaschnikow“ bewaffnet in die Räume der Zeitung ein. In ersten Meldungen hatte es noch geheißen, sie hätten auch einen Raketenwerfer dabei gehabt.

Der Staatsanwaltschaft und Ermittlern zufolge wurden bei dem Anschlag mindestens zwölf Menschen getötet, darunter zwei Polizisten. Sieben weitere Menschen seien verletzt worden, vier von ihnen seien in kritischem Zustand, teilte die Polizei mit. Zunächst war von zehn Toten die Rede gewesen.

Nach Angaben der Polizei drangen mindestens zwei vermummte Männer mit einer Kalaschnikow und einem Raketenwerfer bewaffnet in die Räume der Zeitung ein. Der Angriff im elften Arrondissement im Zentrum von Paris habe sich gegen 11.30 Uhr ereignet. Es habe danach einen Schusswechsel mit den Sicherheitskräften gegeben. Bei ihrer Flucht hätten die Angreifer zwei Polizisten erschossen und später bei der Verfolgungsjagd mit der Polizei einen Fußgänger überfahren.

Schließlich überfielen sie einen weiteren Autofahrer, stahlen seinen Wagen und entkamen.

Innenminister spricht von drei Tätern

Nach Angaben des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve seien drei Täter in den Anschlag verwickelt gewesen. Es werde alles getan, um die drei Kriminellen, die hinter diesem „barbarischen Akt“ steckten, außer Gefecht zu setzen, sagte der Minister nach einer Krisensitzung im Élysée-Palast. Konkrete Angaben zur jeweiligen Rolle der Attentäter machte Cazeneuve nicht.

Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie zwei vermummte Männer mit Kalaschnikow-Gewehren die Redaktion im Zentrum der französischen Hauptstadt stürmen. Ein Mann schrie „Allahu akbar“ („Gott ist groß“), danach sind erste Schüsse zu hören. Auch die Windschutzscheibe eines Polizeifahrzeuges wurde von Kugeln getroffen. Ein Journalist postete bei Twitter ein Foto des Polizeiautos, dessen Windschutzscheibe von mehreren Kugeln getroffen wurde:

Ein Video, das von einem benachbarten Dach aufgenommen wurde, zeigt die Attentäter bei ihrer Flucht. Zudem sind Schüsse zu hören.

Die Männer sollen zudem gerufen haben: „Wir haben den Propheten gerächt.“

Im Internet kursierte ein Video, das zeigt, wie die vermummten Täter auf der Flucht im Vorbeilaufen einen Polizisten erschießen, der am Boden liegt - offenbar weil er bereits verletzt ist.

Terror-Warnstufe auf höchstem Niveau

„Charlie Hebdo“ hatte in der Vergangenheit mehrfach mit provokanten Mohammed-Karikaturen für Schlagzeilen gesorgt. So hatte die Zeitung im September 2012 mit der Veröffentlichung teils derber Mohammed-Karikaturen wütende Reaktionen von Muslimen provoziert, die Abbildungen des Religionsgründers ablehnen. Bereits 2011 war die Zeitung Ziel eines Brandanschlags geworden.

Präsident Francois Hollande fuhr zum Anschlagsort und berief eine Krisensitzung der Regierung ein. Die Terror-Warnstufe wurde für den Großraum Paris auf das höchste Niveau angehoben.

Vor Ort sagte Hollande: „Journalisten und Polizisten wurden ermordet. ... Die Täter werden so lange verfolgt wie es nötig ist, um sie vor Gericht zu stellen.“ Hollande sagte weiter: „Frankreich ist im Schockzustand. Es gibt keinen Zweifel, dass es sich um ein terroristisches Attentat handelt. Wir werden zeigen, dass wir ein geeintes Land sind.“

Ein Augenzeuge berichtete im Fernsehsender iTELE, er habe von einem benachbarten Gebäude aus gesehen, wie vermummte Männer mit Kalaschnikows das Haus im Zentrum von Paris betreten hätten. „Einige Minuten später waren viele Schüsse zu hören.“ Die Männer seien dann weggerannt.

Auch der Chef der Zeitung unter den Opfern

In Frankreich kam am Mittwoch das neue Buch von Michel Houellebecq mit dem Titel „Unterwerfung“ auf den Markt. Es spielt in einem vom Islam dominierten Frankreich. Dagegen hatte es heftige Proteste von Muslimen gegeben.

Unter den Toten sind auch vier Zeichner des Blattes, darunter der Chef der Zeitung Charb. Neben Charb seien die Zeichner Wolinski, Cabu und Tignous getötet worden, verlautete am Mittwoch von Seiten der Ermittler in Paris.

Das Magazin „L‘Obs“ postete ein Foto auf Twitter, dass die Attentäter zeigen soll:

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Anschlag: „Diese abscheuliche Tat ist nicht nur ein Angriff auf das Leben französischer Bürgerinnen und Bürger und die innere Sicherheit Frankreichs. Sie stellt auch einen Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit dar, ein Kernelement unserer freiheitlich-demokratischen Kultur, der durch nichts zu rechtfertigen ist.“

In einem Kondolenzschreiben an den französischen Staatspräsidenten Francois Hollande schreibt Bundespräsident Joachim Gauck von einem „abscheulichen Überfall“. Seine Gedanken seien bei den Hinterbliebenen der Opfer.

Müller und Henkel tief betroffen

Auch wenn so kurz nach dem Anschlag noch nicht alle Hintergründe geklärt seien, könne er sie nur mit Nachdruck verurteilen, so der Bundespräsident weiter. „Es gibt nichts, was ein solches Verbrechen rechtfertigen könnte.“ Es gelte nun, sich „unermüdlich“ für Freiheit, Menschenrecht und Demokratie einzusetzen.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Innensenator Frank Henkel (CDU) haben tief betroffen auf das Attentat in Paris reagiert. „Gewalt und Terrorakte dürfen niemals Mittel der Auseinandersetzung sein“, erklärte Müller.

Die französische Botschaft in Berlin rief zu einer Solidaritätskundebung um 18 Uhr auf dem Pariser Platz auf.

Angriff auf freiheitlich-demokratische Werte

Der friedliche Dialog der Religionen sei von großer Bedeutung für den Zusammenhalt der Gesellschaft sei. „Gewalt, Intoleranz und Menschenverachtung vergiften die Atmosphäre. Dagegen wehren wir uns, auch in Berlin. Was wir stattdessen brauchen sind Offenheit und Gespräche“, betonte der Regierungschef. Das wollten Täter wie die in Paris verhindern. Doch davon ließen sich freie Gesellschaften nicht einschüchtern.

Henkel unterstrich: „Dieser Terrorakt ist ein Angriff auf unsere freiheitlich-demokratischen Werte und unser europäisches Selbstverständnis.“. Diese „barbarische Tat“ zeige, „dass Freiheit und zivilisatorische Errungenschaften stets neu gegen ihre Feinde verteidigt werden müssen“. Zu diesen Errungenschaften zählten auch die Pressefreiheit und die Freiheit, Religionen zu kritisieren. Wie Müller sprach Henkel den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus.

Die USA verurteilten den Anschlag aufs Schärfste. Man nehme den Anschlag sehr ernst, die US-Sicherheitskräfte seien mit ihren französischen Kollegen in Kontakt, sagte Regierungssprecher John Earnest am Mittwoch. Präsident Barack Obama sei informiert. Ohne auf Einzelheiten des Anschlags mit zwölf Toten einzugehen, wies der Sprecher auf die Gefahr von militanten Islamisten aus dem Westen hin, die sich dem Kampf in Syrien oder Irak zeitweise anschließen und danach in ihre Heimat zurückkehren.

„Eine unerträgliche Tat, eine Barbarei“

Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilte jede Art von Terrorismus. Der Präsident drücke sein „tiefes Mitgefühl für die Angehörigen der Opfer und auch für die Menschen von Paris und alle Franzosen“ aus, sagte ein Kreml-Sprecher am Mittwoch. „Moskau verurteilt scharf jede Form von Terrorismus.“

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker bezeichnete die Tat als „brutale und unmenschlichen Attacke“ verurteilt. „Dies ist eine unerträgliche Tat, eine Barbarei“, teilte Juncker in Brüssel mit.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg teilte mit: „Dies war eine barbarische Tat und ein abscheulicher Angriff auf die Pressefreiheit. (...) Terrorismus in all seinen Arten und Erscheinungsformen kann niemals toleriert oder gerechtfertigt werden.“

Über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter solidarisierten sich Tausende Nutzer unter dem Stichwort (Hashtag) #JesuisCharlie (“Ich bin Charlie“) mit den Opfern und kondolierten den Angehörigen.

Redaktion von „El País“ evakuiert

Alarmiert durch den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ in Paris ist am Mittwoch die Zentrale der spanischen Zeitung „El País“ in Madrid evakuiert worden, weil ein verdächtiges Paket angeliefert wurde. Gegen 13.45 Uhr sei ein Mann mit einem Paket aufgetaucht, das als verdächtig eingestuft wurde, sagte „El País“-Kommunikationsdirektor Pedro Zuazua der Nachrichtenagentur AFP. In dem Paket seien Kabel gewesen.

„Die Polizei hat das Gebäude evakuiert“, sagte Zuazua, 300 Menschen hätten dort gearbeitet. Der Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“, bei dem zwölf Menschen getötet wurden, habe in Madrid für Beunruhigung gesorgt.