Kommentar

Die Jungen haben keine Bange vor 2015

Die Jugend ist laut einer Umfrage optimistischer als ihre Eltern. Und es soll sich ein Bewusstsein für mehr Solidarität entwickeln. Möge sich dies bewahrheiten, wünscht sich Jochim Stoltenberg.

Foto: Beyond / dpa-tmn

Da sage noch einer, die Deutschen seien die Angsthasen dieser Welt, zerfressen von Pessimismus und hätten den Mut zur Zukunft verloren. Nun ist die Welt ja in der Tat leider nicht unbedingt so, dass sie frohgemut stimmt: um sich greifender Terrorismus, kriegsähnliche Zustände in unserer osteuropäischen Nachbarschaft oder das drohende nächste Euro-Fiasko, weil sich Griechenland nicht länger an eingegangene Verpflichtungen halten will. Dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen dennoch optimistisch ins neue Jahr blickt, ist eine gute Botschaft. Weil sie mit der Hoffnung verbunden ist, über Probleme der kommenden Monate nicht nur zu lamentieren, sondern sie anzunehmen und einer Lösung zumindest näher zu bringen. Was anderes drückt Optimismus aus?!

Die repräsentative Umfrage des renommierten BAT-Instituts für Zukunftsforschung hält noch eine weitere Überraschung bereit: die Jugend ist optimistischer als ihre Väter und Großväter. Auch dies eine erfreuliche Tendenz, denn für das Meistern und Gestalten von unser aller Gegenwart und Zukunft haben die Jungen zweifellos mehr Gewicht als die Alten. Wobei wirtschaftliche Wohlfahrt nicht mehr allein den Ausschlag dafür gibt, dass 78 Prozent der 14- bis 34-Jährigen (bei den Senioren ab 55 sind es 62 Prozent) guten Mutes ins neue Jahr starten.

Angesichts der Erwartung, dass Staat und Wirtschaft nicht länger Sicherheit für jeden garantieren, scheint sich der Umfrage nach mehr Realismus hinsichtlich dessen auszubreiten, was Regierungen und Unternehmen tatsächlich für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft leisten können. Die BAT-Zukunftsforscher glauben schon, ein neues Bewusstsein für mehr Solidarität konstatieren zu dürfen, mehr gegenseitige Hilfe der Bürger. Möge sich diese Prognose in den kommenden zwölf Monaten bewahrheiten.

Es scheint sich noch ein weiterer Wertewandel zu entwickeln. Eine große Mehrheit der noch kinderlosen jungen Deutschen wünscht sich Nachwuchs. Auch diese Trendumkehr glaubt das BAT-Institut durch eine Umfrage bestätigt. Danach möchten 83 Prozent der kinderlosen 18- bis 29-Jährigen gerne Nachkommen haben. Nur Mut, kann man da der jungen Generation zurufen. Hoffnung auf eine steigende Geburtenrate verbinden die BAT-Forscher mit einem weiteren Umfrageresultat: Mehr Akademikerinnen wünschen sich wieder Kinder.