Terroralarm in Ottawa

Bewaffneter Angriff auf das Parlament schockt Kanada

Unbekannte haben das Parlamentsgebäude in Ottawa überfallen und einen Wachsoldaten erschossen. Es kam zum Schusswechsel mit den Sicherheitskräften, einer der Angreifer starb.

Bei einem Anschlag auf das kanadische Regierungsviertel haben Unbekannte in Ottawa am Parlamentsgebäude einen Wachmann angeschossen und einen Soldaten am Weltkriegsdenkmal getötet. Auch einer von möglicherweise drei mutmaßlichen Tätern kam um. Die Polizei bestätigte vier Stunden nach der Attacke, dass ein Schütze tot sei.

Die kanadischen Behörden konnten ihn später identifizieren. Es handele sich um den 32-jährigen Michael Zehaf-Bibeau, teilte ein Regierungsbeamter mit. Zehaf-Bibeau soll nach kanadischen Medienberichten 1982 geboren und kanadischer Staatsbürger algerischer Abstammung sein. Unklar blieb, ob er Komplizen hatte. Laut Krankenhaus wurden drei Menschen zur Behandlung gebracht.

Der niedergeschossene Soldat kam schwer verwundet ins Krankenhaus, wo er drei Stunden später seinen Verletzungen erlag. Abgeordnete teilten per Twitter mit, dass der Tod des Soldaten bestätigt sei.

Arbeitsminister Jason Kenney kondolierte über Twitter der „Familie des getöteten Soldaten“ und erklärte, er bete für den verwundeten Wachmann am Parlamentsgebäude. „Kanada wird sich nicht terrorisieren oder einschüchtern lassen“, erklärte Kenny.

Das Fernsehen zeigte dramatische Bilder aus dem Parlamentsgebäude, bei denen schwer bewaffnete Polizeibeamte auf der Suche nach den Tätern geduckt über die Gänge liefen, als Schüsse fielen. Premierminister Stephen Harper, der sich auch im Gebäude befand, wurde umgehend in Sicherheit gebracht. US-Präsident Barack Obama werde laufend über die Lage informiert, berichtete CNN.

Erst am Montag hatte ein mutmaßlicher Islamist zwei kanadische Soldaten mit dem Auto überfahren. Ein Soldat starb, der Täter wurde nach einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen.

Stecken Islamisten dahinter?

Unklar blieb zunächst, ob es eine Verbindung des getöteten Angreifers zur Islamisten-Szene gibt. Die Polizei wollte den Verdacht, dass Islamisten dahinter steckten, nicht bestätigen. Kanada beteiligt sich im Irak an den Luftangriffen des von den USA geführten Bündnisses auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Parlamentarier twitterten, dass während der Sitzung etwa 30 Schüsse zu hören gewesen seien. Sie seien sicher, aber in Angst, hieß es. Die ersten Schüsse fielen laut Polizei um 9.52 Uhr Ortszeit (15.52 deutscher Zeit) am Denkmal. Passanten versuchten, dem getroffenen Soldaten erste Hilfe zu leisten.

Medien zufolge beschrieben Zeugen einen Täter als langhaarigen Mann. Er habe erst auf den Soldaten gefeuert und sei dann mit seinem Gewehr zum Parlamentsgebäude gegangen. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab und forderte alle Passanten auf, sich vom Parlamentshügel fernzuhalten. Das Gebäude wurde abgeriegelt. Das Gebiet in einem Park am Fluss Ottawa ist sonst frei zugänglich, Tausende Touristen lassen sich jeden Tag mit den Wachen fotografieren.

US-Botschaft abgeriegelt

Alle Polizeiwachen schlossen ihren Besucherverkehr. Die Polizei forderte alle in der Innenstadt von Ottawa auf, sich nicht am Fenster zu zeigen oder auf Dächer zu gehen. Die US-Botschaft wurde abgeriegelt, die Mitarbeiter wurden aufgefordert, ihre Jalousien herunterzuziehen.

Das Denkmal für die Kriegstoten ist unmittelbar am Parlamentspark, nur durch eine Straße getrennt. Die Ehrenwache ist zwar bewaffnet, die Sturmgewehre dienen aber rein repräsentativen Zwecken. Unklar war, ob sie normalerweise überhaupt geladen sind. Das Denkmal wurde 1939 für die Toten des Ersten Weltkrieges eingeweiht und dient inzwischen auch dem Gedenken der Opfer anderer Kriege.