Jahrestag

Seit dem 11. September hat sich der Terrorismus globalisiert

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Foto: SPENCER PLATT / AFP

Vor 13 Jahren verübten die Terroristen von al Qaida den Anschlag auf das World Trade Center. Amerikas „Krieg gegen den Terror“ hat die Welt danach nicht sicherer gemacht, meint Jochim Stoltenberg.

Bilder, die nie mehr verschwinden werden. Nicht aus der Erinnerung derer, die sie vor Ort ertragen oder zeitgleich via Fernsehen erdulden mussten; noch in irgendeinem Geschichtsbuch. Die einstürzenden stolzen Türme des New Yorker World Trade Centers haben eine bis dahin nur filmisch vorstellbare Apokalypse Realität werden lassen. Der Anschlag des islamistischen Terrornetzwerks des Osama bin Laden am 11. September 2001 hat die Welt verändert. Heute vor 13 Jahren wurde die Weltmacht Amerika erstmals auf eigenem Territorium angegriffen. Für die USA eine bis dahin unvorstellbare Herausforderung. Sie haben sie mit einem Rache- und Abwehrkrieg gegen die islamistische Terrorszene beantwortet.

Dieser Kampf zusammen mit den westlichen Verbündeten war unabweisbar. Doch er hat die Welt bis heute leider nicht sicherer gemacht. Es begann mit der Intervention in Afghanistan, deren ernüchterndes Ergebnis sich dieser Tage gerade wieder bestätigt. Zwar wurde bin Laden zur Strecke gebracht. Doch das Land am Hindukusch mit seinen archaischen Stammesstrukturen in einen demokratischen Rechtsstaat nach westlichem Vorbild und damit zum Bollwerk gegen den Terrorismus zu reformieren, bleibt Illusion. Nach den Parlamentswahlen mit gegenseitigen Manipulationsvorwürfen streiten sich die beiden Spitzenkandidaten weiter über den Sieg und können sich über die politische Zukunft des Landes nicht einigen. Mit der fatalen Folge, dass darüber allein die Taliban lachen dürfen.

Der arabische Frühling ist umgeschlagen in neuen Terrorismus

Längst viel dramatischer ist die Entwicklung im Nahen Osten und im nördlichen Afrika. Was voreilig als Arabischer Frühling gefeiert wurde, ist umgeschlagen in einen islamistischen Terrorismus, der die feudalen Regime der Region ebenso wegbomben will wie die Fundamente unserer westlichen Wertvorstellungen. Am schlimmsten zu beobachten derzeit im Irak und in Syrien mit der schier unvorstellbaren Grausamkeit der Gotteskrieger der Bewegung Islamischer Staat (IS). Unter den Kämpfern dort auch Muslime und Konvertiten aus Europa einschließlich Deutschlands, die nach ihrer Rückkehr tickende terroristische Zeitbomben sind.

Was am 11. September 2001 begann, ist zu einer globalen terroristischen Bedrohung geworden. Deutschland ist – auch dank der so oft gescholtenen Sicherheitsdienste – von Anschlägen verschont geblieben. Darauf ist kein Verlass. Erst recht nicht, seit auffallend viele Kämpfer mit deutschem Pass von den weltweiten Dschihad-Fronten heimkehren.

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