Geheimdienst

Mehr Offenheit - BND gibt seine Tarnnamen auf

Sechs Außenstellen des Bundesnachrichtendienstes haben ab sofort keine Tarnnamen wie „Amt für Schadensabwicklung“ mehr. Der Geheimdienst will mit mehr Transparenz um das Vertrauen der Bürger werben.

Foto: Stephan Jansen / dpa

Der Bundesnachrichtendienst (BND) gibt nach Jahrzehnten ein Stück seiner Geheimhaltung auf und verzichtet auf die Tarnnamen für etliche seiner Horchposten im Inland. An sechs Außenstellen, über die der BND unter anderem Funkverkehr und Handytelefonate im Ausland abhört, prangt ab Sonnabend ein Behördenschild mit der Aufschrift „Bundesnachrichtendienst“. Damit gehört die Nutzung fantasievoller Legenden wie „Ionosphäreninstitut“, „Amt für Schadensabwicklung“ oder „Fernmeldeweitverkehrsstelle der Bundeswehr“ endgültig der Vergangenheit an.

BND-Chef Gerhard Schindler erklärte diesen Schritt als einen Beitrag zu mehr Offenheit und Bürgernähe. „Die heutige Umwidmung ist ein Zeichen für mehr Transparenz“, sagte Schindler. „Wir wollen damit das Vertrauen der Bevölkerung in die Tätigkeit des Bundesnachrichtendienstes weiter stärken.“ Der BND erfülle eine wichtige Aufgabe und brauche sich dafür nicht zu verstecken.

Ein Geheimdienst zum Anfassen

Mehr als 20 sogenannte abgetarnte Außenstellen betrieb der BND bislang verteilt über das gesamte Bundesgebiet. Mit diesem Versteckspiel ist es nun zumindest teilweise vorbei. Schon vor Wochen hatte der BND angekündigt, seine größten Außenstellen öffentlich bekannt zu machen – oder besser: absichtlich zu enttarnen. Bei der Eröffnung der neuen BND-Zentrale in Berlin-Mitte hatte Schindler im März bereits erklärt, er wünsche sich einen „BND zum Anfassen“. Der Erfüllung dieses Wunsches ist er nun wieder einen Schritt näher gekommen. Allerdings ist sich Schindler auch durchaus bewusst, dass mehr Transparenz für einen Geheimdienst eine große Herausforderung ist.

In den von der Enttarnung betroffenen Außenstellen arbeiten nach BND-Angaben rund 700 Mitarbeiter. Sie hören unter anderem den Funkverkehr und Handytelefonate in Krisengebieten wie Afghanistan ab, wo die Bundeswehr stationiert ist. Die Experten des BND helfen außerdem bei der Aufklärung von Entführungen und Geiselnahmen deutscher Bürger im Ausland. „Diese Aufgaben gehören zum Kernauftrag des Bundesnachrichtendienstes und beruhen auf gesetzlicher Grundlage“, sagte Schindler.

Konkret bekennt sich der BND zu Dienststellen in Bad Aibling, Gablingen, Stockdorf und Söcking (alle Bayern) sowie in Rheinhausen (Baden-Württemberg) und Schöningen (Niedersachsen). Bis auf Söcking und Stockdorf sind es Lauschposten. Die Abhörstation in Bad Aibling ging allerdings im vergangenen Jahr bereits so oft durch die Medien, dass sie längst nicht mehr geheim war: Sie spielte eine prominente Rolle in der NSA-Affäre.

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