Ukraine-Krise

37 Tote in Odessa - „Anti-Terror-Einsatz“ geht weiter

Bei Krawallen zwischen prorussischen Aktivisten und Anhängern der Regierung in Kiew sind in der ukrainischen Hafenstadt zahlreiche Menschen getötet oder verletzt worden. Russland zeigt sich empört.

Bei den schweren Straßenschlachten in der ukrainischen Hafenstadt Odessa sind den Behörden zufolge mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Zudem seien bei den blutigen Krawallen zwischen prorussischen Aktivisten sowie Anhängern der Übergangsregierung in Kiew etwa 200 Menschen verletzt worden, teilte das Innenministerium der früheren Sowjetrepublik am Sonnabend mit. Die meisten Menschen starben, als sie aus einem brennenden Gewerkschaftshaus sprangen oder an Rauchvergiftungen.

Rund 130 Beteiligte der Ausschreitungen am Freitagabend wurden festgenommen. Ihnen drohten Anklagen wegen Beteiligung am Aufruhr bis hin zu vorsätzlichem Mord, teilte der örtliche Polizeichef Petro Luziuk am Sonnabend mit. Die Behörden verhängten eine dreitägige Trauer. Die ehemalige Regierungschefin Julia Timoschenko reiste nach Odessa, um sich ein Bild von der Lage zu machen, wie ihre Partei mitteilte.

Russland machte die prowestliche Führung in Kiew sowie ukrainische Nationalisten für die Eskalation verantwortlich. Das Außenministerium in Moskau forderte von den Behörden des Nachbarlandes „unverzügliche Auskunft“ darüber, ob unter den Opfern auch Russen seien.

Ukraine setzt „Anti-Terror-Einsatz“ gegen Separatisten fort

Derweil setzen ukrainische Sicherheitskräfte ihren „Anti-Terror-Einsatz“ gegen prorussische Separatisten im krisengeschüttelten Osten des Landes fort. Dabei sollen in der Nähe von Kramatorsk ein Mensch getötet und neun weitere Menschen verletzt worden sein, wie russische Medien unter Berufung auf Klinikinformationen berichteten.

Separatisten halten in Slawjansk mehrere OSZE-Militärbeobachter in ihrer Gewalt, darunter vier Deutsche. Innenminister Arsen Awakow zufolge verstärkten die Einheiten eine Offensive bei der benachbarten Stadt Kramatorsk. Nach Schusswechseln seien mehrere Menschen in Krankenhäuser gebracht worden, berichtete das russische Fernsehen.

In Washington riefen Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama Russland erneut auf, zu einer Beilegung der Krise beizutragen. Russland erklärte indes, nach der ukrainischen Offensive sei das Genfer Abkommen zur friedlichen Lösung der Krise Geschichte.