Krim-Krise

Ukraine meldet russischen Aufmarsch - Börsen gehen in Deckung

Die USA und Großbritannien gehen davon aus, dass Russland die faktische Kontrolle über die Krim übernommen hat. Ukrainische Grenzsoldaten melden weitere Truppenbewegungen. Das belastet auch die Börsen.

Foto: BAZ RATNER / REUTERS

An der russischen Küste nahe der Halbinsel Krim ist es nach Angaben ukrainischer Grenztruppen zu einem Aufmarsch gepanzerter Fahrzeuge gekommen. Pro-russisch gesinnte Soldaten hätten einen Fähranleger im äußersten Osten der Krim besetzt. Russisch sprechende Bewaffnete übernahmen das Bootsterminal am Montagmorgen. Ihre Fahrzeuge sollen russische Nummernschilder tragen, doch auf Fragen zu ihrer Herkunft hätten sie keine Antwort gegeben.

Mit der Übernahme des Anlegers könnte Russland nun weitere Truppenverlegungen auf die Krim einleiten. Die russische Küste ist auf dem Seeweg lediglich gut 20 Kilometer entfernt. Russische Schiffe hätten zudem mit Manövern im Schwarzen Meer vor Sewastopol begonnen. Die russische Schwarzmeerflotte ist in der Hafenstadt auf der Krim stationiert. Auf der Krim werde zudem das Mobilfunknetz teilweise durch Russland blockiert.

USA gehen von 6000 russischen Soldaten aus

Die USA und Großbritannien gehen inzwischen davon aus, dass Russland die vollständige Kontrolle über die Halbinsel hat. Vermutlich seien mehr als 6000 russische Soldaten in der Region, hieß es aus Regierungskreisen in Washington. Der britische Außenministers William Hague zeigte sich zugleich sehr besorgt über die Möglichkeit eines weiteren russischen Eingreifens im Osten der Ukraine. Russlands Intervention habe eine sehr gefährliche und angespannte Lage geschaffen.

Am Wochenende hatte Russland seine Truppen auf der Krim verstärkt. Soldaten, nach ukrainischen Angaben russische, umstellten ein Gelände der ukrainischen Infanterie. Die Führung in Kiew richtete einen Appell an Moskau, seine Truppen zurückzubeordern. „Wir stehen am Rande einer Katastrophe“, sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk.

Die Ukraine versetzte ihre Streitkräfte in Gefechtsbereitschaft. Zudem verfügte Übergangspräsident Alexander Turtschinow, die Sicherheitsvorkehrungen an Atomkraftwerken, Flughäfen und anderen strategisch wichtigen Orten zu verschärfen.

Rubel stürzt auf historisches Tief

Die Krim-Krise hat die russische Börse am Montag auf Talfahrt geschickt: Der Moskauer Börsenindex MICEX brach um rund 6 Prozent ein, der Index RTS sackte nach Börsenöffnung um mehr als 7 Prozent in den Keller. Der Rubel stürzte auf ein historisches Tief gegenüber Euro und Dollar. Ein Euro kostete erstmals mehr als 50 Rubel.

Auch die europäischen Aktienmärkte haben am Montag mit deutlichen Verlusten auf die angespannte Lage auf der Krim reagiert. Der Dax fiel gleich zur Eröffnung um 2,4 Prozent unter die 9500-Punkte-Marke. Der Stoxx Europe 600 Index gab um 1,7 Prozent nach. Der Euro Stoxx 50 für die Eurozone notierte 2,1 Prozent schwächer. Besonders stark unter Druck gerieten die Aktien von Unternehmen mit einem starken Engagement in Russland. So zählte Adidas unter den größten deutschen Börsenkonzernen im politisch dominierten Handel zu den größten Verlierern.

Auswärtige Amt rät von Reisen auf die Krim ab

Das Auswärtige Amt hat unterdessen seinen Sicherheitshinweis für Ukraine-Reisende verschärft. Es rät von Reisen auf die Halbinsel Krim dringend ab, von Reisen in die östlichen Landesteile der Ukraine ebenfalls dringend. Insgesamt sollten Reisende Menschenmengen und Demonstrationen grundsätzlich meiden und sich über Medienberichte sowie der Internetseite des Auswärtigen Amtes über die Lage vor Ort auf dem Laufenden halten.