Kommentar

Warum der deutsche Einsatz in Afghanistan richtig war

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Foto: Michael Kappeler / dpa

Die Bundeswehr verlässt Kundus. Viele Gegner sagen, der Einsatz hätte nie stattfinden dürfen. Doch diese Behauptung verhindert nur, über eigene Fehler nachzudenken, meint Daniel-Dylan Böhmer.

Die deutsche Flagge wird eingeholt in Camp Kundus. Der surreale Abschiedsakt mit bunten Holzschlüsseln kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Lage in Afghanistan verdüstert, während die internationalen Truppen abziehen. Die Erinnerung an die zivilen Opfer des Luftschlags vom September 2009 macht es den Deutschen leicht, sich einzubilden, dass da ein unrühmliches Kapitel endlich zu Ende geht.

In den zwölf Jahren des Isaf-Einsatzes hat sich in der Bundesrepublik eine ganz große Koalition gebildet, die das Engagement ablehnt: von Gesinnungspazifisten, denen die Schlüssigkeit ihres Standpunktes wichtiger ist als die Menschenrechte afghanischer Mädchen, bis hin zu Essenzialisten auf der anderen Seite, die sich in der Ansicht bestätigt sehen, dass der Muslim als solcher nicht für die Demokratie gemacht sei. In unausgesprochener Gemeinsamkeit verbreiten sie alle den Eindruck, die Lage in Afghanistan beweise doch, dass der Einsatz nie hätte stattfinden dürfen, weil er niemals gelingen konnte. Diese Behauptung ist nicht nur intellektuell gewagt, sie ist vor allem bequem. Denn sie verhindert, über eigene Fehler nachzudenken.

Starke Taliban, unbeliebte Isaf-Truppen

Zugegeben: Die Taliban sind stark und die Isaf-Truppen denkbar unbeliebt. Karsai hat sich sein Amt durch Wahlfälschung gesichert, und ein aussichtsreicher Kandidat für seine Nachfolge ist ein alter Freund von al-Qaida. Es gibt keine greifbaren Friedensverhandlungen mit den Taliban, und es wird immer ungewisser, ob nach 2014 noch irgendwelche internationalen Truppen im Land bleiben können.

Aber was haben die Deutschen getan, um diesen Verlauf der Dinge zu verhindern? Zwar wurde immer behauptet, wir wollten eine Demokratie aufbauen, aber dann haben wir Deutsche in den ersten Jahren des Einsatzes vor allem die Warlords mit Unsummen finanziert. Es wurde Entwicklung versprochen, aber dann doch lange Zeit nicht genug Soldaten geschickt, um sie abzusichern. Obama hat in beiden Punkten gegengesteuert, diese Kurskorrektur aber bald zugunsten effektiverer Drohnenschläge ad acta gelegt. Aus Deutschland war ohnehin wenig Unterstützung dafür gekommen.

Die Politik hatte ein gutes Ziel, und zahllose Helfer und Soldaten aus aller Welt haben Großartiges geleistet. Aber wir Deutsche setzten zu oft falsche Rahmenbedingungen, weil wir nicht konsequent genug den demokratischen Prinzipien gefolgt sind und sie nicht genug verteidigt haben. Damit sollte man sich nicht belügen. Auch nicht mit der Hoffnung, dass dieses Kapitel geschlossen wäre. Denn wenn Afghanistan und Pakistan scheitern, fordert die Zeitgeschichte ihren neuerlichen Tribut.

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