Ostern

Papst wäscht auch Frauen und Muslimen die Füße

Franziskus hat die Priester ermuntert, ihre Kirchen zu verlassen und sich zu den Menschen zu begeben. Die Osterfeierlichkeiten begann er mit einer starken Geste: Er wusch Häftlingen die Füße.

Foto: Ettore Ferrari / dpa

Zu Beginn der Osterfeierlichkeiten hat Papst Franziskus sich am Gründonnerstag erneut für neue Wege in der katholischen Kirche stark gemacht. In der Chrisammesse im Vatikan rief das Kirchenoberhaupt die Priester auf, ihre Kirchen zu verlassen und sich zu den Menschen zu begeben. Am Abend feierte Franziskus eine Messe in einem Jugendgefängnis in Rom und wusch dabei in einer symbolischen Geste auch die Füße von zwölf Häftlingen.

Am Gründonnerstag gibt der Papst traditionell den Kurs für die katholische Priesterschaft weltweit vor. Seit seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche hatte Franziskus mehrfach Reformen in der Kirche und neuen Schwung angemahnt. Er kündigte bislang aber keine konkreten Reformschritte an.

Die Priester sollten dynamischer werden, „an die äußeren Ränder“ der Gesellschaft gehen und das Evangelium denen verkünden, die „überhaupt nichts haben“, sagte Franziskus unter dem Applaus der Gläubigen. Zahlreiche Priester seien angesichts der Verweltlichung der Gesellschaften „verbittert“ und verkämen zu „Antiquitätensammlern“.

Ein Priester aber, der „nicht mehr aus sich selbst herauskommt“, werde anstelle eines Mittlers zwischen Gott und den Menschen zu einem „Verwalter“. Aus Unzufriedenheit erwachse die „Krise der priesterlichen Identität“, die „uns alle bedroht“.

Franziskus rief die Priester in der katholischen Kirche auf, sich den Gläubigen im Alltag zuzuwenden. Geistliche müssten sich als Hirten mitten unter die Herde mischen und den „Geruch der Schafe“ annehmen. Andernfalls drohten sie zu „traurigen Priestern“ zu werden, die den Kontakt zu den Menschen verloren hätten.

Franziskus erneuerte damit seine Mahnungen, mit denen er wenige Tage vor seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche im Kardinalskollegium für Aufsehen gesorgt hatte. In einem beispiellosen Schritt hatte der kubanische Kardinal Jaime Ortega das Redemanuskript mit Genehmigung des Papstes am Dienstag veröffentlicht. Darin prangert der jetzige Papst eine „selbstbezogene Kirche“ an, in der ein gewisser „theologischer Narzissmus“ herrsche.

Papst ruft Jugendliche auf, nicht die Hoffnung zu verlieren

Mit jugendlichen Strafgefangenen hat Papst Franziskus seinen ersten Gründonnerstagsgottesdienst gefeiert. Statt in die Lateranbasilika, die traditionelle Bischofskirche des römischen Papstes, begab er sich am Donnerstagnachmittag in die Jugendvollzugsanstalt „Casal del Marmo“ im Nordwesten Roms. Dort hielt er mit 49 jungen Häftlingen – 38 Männern und 11 Frauen – das Gedenken an das Letzte Abendmahl Jesu.

Während der Messe wusch und küsste er zwölf jungen Gefangenen unterschiedlicher Nationalität und Glaubensrichtungen die Füße. Unter ihnen waren auch zwei Mädchen, eine katholische Italienerin und eine muslimische Bosnierin. Auch dies war ein Bruch mit der Tradition, denn normalerweise nehmen keine Frauen an der traditionellen Fußwaschung teil.

Die Geste soll an die Fußwaschung Jesu an seinen Aposteln beim Letzten Abendmahl erinnern. Bei der Eucharistiefeier umarmte der Papst die zwölf Jugendlichen zum Friedensgruß. Die Kommunion teilte er persönlich aus.

In einer kurzen Ansprache sagte Franziskus, wer höher stehe, müsse anderen dienen. „Anderen die Füße zu waschen bedeutet, ihnen einen Dienst zu erweisen“. Dahinter stehe der Auftrag, sich gegenseitig zu helfen. „Das hat Jesus uns gelehrt, und das tue ich jetzt als meine Pflicht, und ich tue es von Herzen“, sagte der Papst.

Fernsehaufnahmen waren mit Rücksicht auf die Privatsphäre der Jugendlichen nicht zugelassen. Radio Vatikan übertrug die Feier in seinem Hörfunkprogramm.

An der Messe nahm auch Italiens Justizministerin Paola Severino teil. Nach dem Gottesdienst gab es eine kurze Begegnung zwischen dem Papst und den jungen Häftlingen. Als Geschenk überreichten sie ihm ein Holzkreuz und eine Betbank, die sie in der anstaltseigenen Tischlerei gefertigt hatten.

Franziskus revanchierte sich bei jedem mit Ostereiern und je einer „Colomba“, dem italienischen Ostergebäck in Taubenform. Den Jugendlichen sagte der Papst: „Lasst euch nicht die Hoffnung rauben. Kapiert? Lasst euch die Hoffnung nicht rauben!“

Schon als Erzbischof von Buenos Aires hatte Jorge Mario Bergoglio regelmäßig zum Gründonnerstag Messen in Gefängnissen, Krankenhäusern und Altersheimen gefeiert.

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