Bootsmann gefesselt

Marine greift gegen aufmüpfige Soldaten durch

Marine-Soldaten sollen einen Vorgesetzten gefesselt und beschmiert haben. Inspekteur Schimpf lässt im Fall „mit gegebener Härte“ ermitteln.

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

36 Mann auf einem Boot, das nur 57 Meter lang und knapp acht Meter breit ist – und das 2500 Kilometer von zu Hause entfernt. Da mag manch einer schon mal die Nerven verlieren.

Auf dem Marineschnellboot „Hermelin“, das seit Juni 2012 vor der libanesischen Küste im Einsatz ist, müssen sich jedenfalls vier Soldaten während eines Streits so über einen Vorgesetzten geärgert haben, dass sie ihn schließlich mit Tape und Spanngurt auf einem Tisch festbanden und einen Spruch aufs Bein malten.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Gegen die vier Unteroffiziere, Dienstgrad Obermaat, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Rostock – „wegen des Verdachts eines tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten“, wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr meldete. „Derartige Fälle dulde ich nicht in unserer Marine“, sagte der oberste Vorgesetzte, Inspekteur Axel Schimpf, der Berliner Morgenpost.

„Deswegen wird nun mit der gegebenen Härte ermittelt.“ Intern seien sofort die nötigen Konsequenzen gezogen worden. „Ich habe volles Vertrauen in die jeweiligen Disziplinarvorgesetzten, die sich mit dem Fall nun beschäftigen“, sagte der Vizeadmiral. Einen ausländerfeindlichen Hintergrund schloss er aus. Bei dem angegriffenen Bootsmann handelt es sich um einen Deutschen thailändischer Herkunft.

„Hier wohnen die Mongos“

Der Vorfall ereignete sich bereits Mitte Februar in Beirut, wo das Schnellboot S73 „Hermelin“ im Hafen lag. Jene vier Soldaten sollen dem gefesselten Bootsmann, der einen Dienstgrad höher trägt als sie, aufs Bein geschrieben haben: „Hier wohnen die Mongos.“

Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll das Wort „Mongo“ weniger als Schimpfwort für einen Asiaten benutzt worden sein als als Synonym für „Depp“ oder „Idiot“.

Der Wachoffizier an Bord soll den Disput relativ schnell beendet haben. Am 22. Februar sei der Vorfall bereits an die Staatsanwaltschaft übergeben worden, meldete das Einsatzführungskommando. Die vier beschuldigten Soldaten sind aus dem Auslandseinsatz zurückgeholt worden. Sie erledigen nun Stabsdienst in Warnemünde. Das Schnellboot S73 „Hermelin“ beteiligt sich seit Sommer 2012 am Unifil-Einsatz vor der Küste des Libanon, um Waffenschmuggel zu unterbinden und die Seewege zu kontrollieren.