Kommentar

Flughafen BER - Das Vertrauen ist dahin

Die BER-Verantwortlichen haben das Vertrauen verspielt. Deshalb laufen ihre Beschwichtigungen gegenüber besorgten Anwohnern ins Leere.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Das Einzige, was am Hauptstadtflughafen in Schönefeld zuverlässig funktioniert, ist offenbar die Produktion alarmierender Nachrichten. Zehntausende Bürger im Südwesten und Südosten Berlins, vor allem in den Bezirken Steglitz-Zehlendorf und Treptow-Köpenick, fragen sich besorgt, ob sie, anders als bislang bekannt gegeben, nun auch mit erheblichem Fluglärm über ihren Häusern rechnen müssen. Aktuelle Daten der Deutschen Flugsicherung, die eine Bürgerinitiative jetzt veröffentlicht hat, scheinen diesen Verdacht zu belegen. Die Initiative aus dem Ortsteil Friedrichshagen hatte beharrlich nachgeforscht und alte An- und Abflugkorridore mit den neuen Daten abgeglichen. Das Ergebnis ist ein so breit aufgefächerter Flugteppich über der Stadt und den angrenzenden Gebieten in Brandenburg, dass nach Berechnungen der Initiative 1,5 Millionen Menschen direkt vom Fluglärm betroffen wären.

Die Beschwichtigungsversuche der für die Einrichtung der Flugkorridore zuständigen Flugsicherung schüren leider gleich wieder neue Ängste. Diese Korridore würden nur im Notfall, etwa bei Triebwerksausfällen, als sogenannte Sicherheitszonen benötigt, lässt sich von einem Sprecher der Behörde vernehmen. Das soll nun offenbar eine gute Nachricht sein. Für die meisten Menschen ist es jedoch alles andere als eine beruhigende Vorstellung, von einem Flugzeug mit Motorschaden überflogen zu werden. Glauben, dass die Flieger auf diesen Sicherheitskorridoren tatsächlich nur im Notfall fliegen, werden die Betroffenen dem Mann ohnehin nicht, denn das Misstrauen ist in den vergangenen Monaten nicht kleiner geworden, nur weil die Flugroutendebatte angesichts des Eröffnungsdesasters in den Hintergrund gerutscht ist.

Im Gegenteil. Die Verantwortlichen, egal ob in der Flughafengesellschaft, den Planungsbehörden in Berlin und Brandenburg, im Aufsichtsrat oder bei der Flugsicherung haben es zunehmend schwer, bei den Bürgern überhaupt noch auf offene Ohren zu stoßen. Zu groß sind die Zweifel, ob die Planer das Projekt überhaupt noch im Griff haben. Gerade erst am vergangenen Freitag konnten sich die Mitglieder des Untersuchungsausschusses bei einem Rundgang über die BER-Baustelle selbst ein Bild vom volkswirtschaftlichen Super-GAU vor den Toren Berlins machen.

Eine Rechtsanwaltskanzlei soll nun prüfen, ob die Geschäftsführung, allen voran Flughafenchef Rainer Schwarz, Schadenersatz zahlen muss. Selbst wenn es gelingen sollte, den Mann persönlich in Regress zu nehmen, wird der Steuerzahler auf den Mehrkosten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro sitzen bleiben, die dafür benötigt werden, den Skandalflughafen nun wenigstens im Oktober 2013 an den Start zu bringen. Genauso wie bei den Flugrouten findet auch im Falle des Bauskandals wieder unverdrossen die altbekannte Salamitaktik Anwendung, nach der unliebsame Wahrheiten nur scheibchenweise preisgegeben werden. Die Zweifel am größten und wichtigsten Infrastrukturprojekt in der Metropolregion Berlin-Brandenburg werden sich so nicht beseitigen lassen.