Mohammed-Film

Sonntag neue Proteste vor deutscher Botschaft angekündigt

Im Sudan wurde die deutsche Botschaft in Brand gesteckt. In Tunis greifen Demonstranten die US-Vertretung an. Die Ereignisse im Live-Ticker.

+++ 19:18 Uhr +++

Bei dem Sturm der US-Botschaft in der tunesischen Hauptstadt sind am Freitag mindestens drei Menschen getötet worden. Mindestens 28 Menschen seien zudem verletzt worden, als Demonstranten aus Wut über einen in den USA produzierten islamfeindlichen Film die Vertretung in Tunis angriffen, meldete die Nachrichtenagentur TAP unter Berufung auf vorläufige Angaben des Gesundheitsministeriums.

+++ 18:31 Uhr +++

Die sudanesische Polizei hat nach Zeugenangaben vor der US-Botschaft in Khartum das Feuer auf Demonstranten eröffnet. Diese hätten am Freitag versucht, die Mauer der Vertretung zu erklimmen. Mindestens drei Personen seien verletzt worden und lägen regungslos am Boden, berichteten die Zeugen. Im Anschluss an die Freitagsgebete kam es in zahlreichen Ländern zwischen Tunesien und Pakistan zu Ausschreitungen.

+++ 17:58 Uhr +++

Außenminister Westerwelle hat mit seinem sudanesischen Amtskollegen Ali Karti telefoniert. In dem Gespräch hat Westerwelle die Angriffe auf die Botschaft in Khartoum verurteilt und die umgehende und umfassende Sicherung der Auslandsvertretung gefordert, wie ein Außenamtssprecher in Berlin mitteilte.

Der sudanesische Außenminister habe zugesichert, dass seine Regierung alles tun werde, um die Sicherheit zu gewährleisten.

+++ 17:53 Uhr +++

Ein Sprecher der US-Botschaft im Sudan teilt mit, dass alle Demonstranten vom Gelände der Vertretung in Khartum vertrieben wurden.

+++ 17:52 Uhr +++

Der mutmaßliche Produzent des islamfeindlichen US-Films bereut sein Werk trotz der gewaltsamen Proteste in mehreren muslimischen Ländern nicht. Es tue ihm nicht leid, den Film gemacht zu haben, aber der Tod des US-Botschafters in Libyen stimme ihn „traurig“, sagte ein Mann, der sich als Nakoula Basseley Nakoula ausgab, am Freitag dem arabischsprachigen US-Radiosender Sawa. Nakoula, nach eigenen Angaben ein 55-jähriger koptischer Christ aus dem US-Bundesstaat Kalifornien, gilt in den US-Medien als Urheber des umstrittenen Films „Die Unschuld der Muslime“.

+++ 17:44 Uhr +++

Zum Marsch auf die deutsche Botschaft in Khartum hat der bekannte Scheich Mohammed Dschisuli aufgerufen. So sollten die Demonstranten gegen mutmaßlich anti-islamische Graffiti an Berliner Moscheen demonstrieren und anschließend vor der US-Vertretung gegen das im Internet aufgetauchte islamfeindliche Schmähvideo. „Amerika ist seit langem ein Feind des Islam und des Sudans“, sagte Dschisuli im staatlichen Rundfunk. Die Berliner Polizei weiß nichts von solchen Graffiti.

+++ 17:39 Uhr +++

Demonstranten stehen vor der US-Botschaft in Tunis uns rufen „Obama, Obama, we are all Osamas“.

+++ 17:27 Uhr +++

Der Weltkirchenrat (ÖRK) hat den islamfeindlichen Film eines US-Kopten als eine schwere Beleidigung des Islam verurteilt. Er treffe Muslime „im Herzen ihres Glaubens“ und darüber hinaus alle gläubigen Menschen, erklärte ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit am Freitag in Genf.

+++ 17:25 Uhr +++

In der US-Botschaft in Sudan ist es zu schweren Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gekommen. Nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabija wurde ein Demonstrant getötet, als Sicherheitskräfte mit Tränengas auf die Menschenmenge vor der US-Botschaft in Khartum feuerte. Auch ein Kameramann von Al-Arabija sei verletzt worden.

+++ 17:22 Uhr +++

Dagegen verliefen Proteste in Afghanistan dem US-Verteidigungsministerium zufolge friedlich. Dank gebühre dafür den Religionsführern, die sich gegen Gewalt ausgesprochen hätten.

+++ 17:20 Uhr +++

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters haben Demonstranten Feuer in einer Schule in Tunis gelegt.

+++ 17:15 Uhr +++

Demonstriert wird nicht nur im Sudan: Eine Gruppe von Demonstranten hat am Freitag die US-Botschaft in Tunis gestürmt. Eine dicke schwarze Rauchwolke war nach Beobachtung eines dpa-Reporters über dem Gebäude zu sehen. Die Menschen riefen „Allahu Akhbar“ (Gott ist groß) und schwenkten schwarze Fahnen.

+++ 16.53 Uhr +++

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) warnte nationale Gruppen und Organisationen davor, durch Verbreitung „dieses unsäglichen Mohammed-Films“ die Islamisten auch noch in Deutschland zu provozieren. Friedrich kündigte entschlossene Maßnahmen des Staates gegen mögliche Propagandisten des Films in Deutschland an. „Gruppen und Organisationen, die die Islamisten auch in Deutschland provozieren wollen, indem sie beispielsweise diesen unsäglichen Mohammed-Film verbreiten wollen, müssen wissen, dass sie grob fahrlässig Öl ins Feuer gießen. Deswegen muss man dem auch Einhalt gebieten“, sagte Friedrich der „Leipziger Volkszeitung“.

Für die Bundesrepublik gebe es derzeit „keine konkreten Hinweise auf eine gesteigerte Anschlagsgefahr“. Allerdings herrschten „erhöhte Wachsamkeit und gesteigerte Aufmerksamkeit bei Behörden und Bürgern“, sagte Friedrich.

+++ 16.40 Uhr +++

Für Sonntag haben islamistische Gruppen zu neuen Protesten vor der Botschaft aufgerufen.

+++ 16:34 Uhr +++

Demonstranten sind weiter zur rund drei Kilometer entfernten US-Botschaft gezogen. Dort sind einige über die Mauer der US-Botschaft gesprungen. Gewehrfeuer ist zu hören, berichtet ein Reuters-Reporter.

+++ 16.20 Uhr +++

Nach den Angriffen auf die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum hat das Auswärtige Amt seine Sicherheitshinweise aktualisiert. So heißt es dort seit heute: „Für Freitag, den 14.09.2012, und Sonntag, den 16.09.2012, haben eine Reihe islamistischer Gruppen sowie die Studentenunion zu Demonstrationen vor der Deutschen Botschaft in Khartum aufgerufen. Es wird empfohlen, den Bereich um die Deutsche Botschaft jeweils zu meiden.”

+++ 16.10 Uhr +++

Angesichts der Botschaftserstürmung sagte Ali Kizilkaya, der Vorsitzende des Islamrats, der "Welt": "Was dort geschieht, ist mir völlig unverständlich. Ich begreife auch nicht, was damit bezweckt wird. Dafür gibt es keinerlei religiöse Begründung."

Kizilkaya erinnerte in diesem Zusammenhang an die Rolle der muslimischen Autoritäten in Ägypten, die während der jüngsten Proteste zur Besonnenheit gemahnt hätten. "Wer Kritik wegen eines Films üben will, der soll friedlich demonstrieren. Gewalt ist kein Mittel des Meinungsstreits, Gewalt schadet dem Islam", sagte Kizilkaya.

+++ 16.03 Uhr +++

Nach dem Sturm auf die deutsche Botschaft haben etwa 10.000 Demonstranten versucht, zur US-Botschaft vorzudringen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen die aufgebrachte Menge ein, wie ein AFP-Reporter berichtete. Ein massives Sicherheitsaufgebot riegelte die Zufahrtsstraße zu der Botschaft ab.

+++ 15.56 Uhr +++

Bei der Stürmung der deutschen Botschaft im Sudan durch Demonstranten sind keine Mitarbeiter verletzt worden. Die Vertretung in der sudanesischen Hauptstadt Khartum sei zwar „in Flammen gesetzt worden“, es sei aber „glücklicherweise kein Personenschaden entstanden“, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) am Freitag in Berlin.

Westerwelle verurteilte den Angriff „auf das Schärfste“. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes stehe „in ständigem Kontakt“ mit der Botschaft.

Die Botschaft auf einer Karte

+++ 15.44 Uhr +++

Die deutsche Botschaft ist am Freitag normalerweise geschlossen. Nach Angaben des Auswärtigen Amts hielt sich Botschafter Rolf Welberts zum Zeitpunkt der Angriffe nicht auf dem Gelände auf. Der Diplomat ist erst seit vergangener Woche in Khartum auf Posten.

+++ 15.40 Uhr +++

Die höchste Behörde der sudanesischen Islamisten, der „Complex of Islamic Jurisprudence“ (CIJ) bezeichnete den Film als weitere „himmelschreiende Aggression seitens der Feinde des Islam gegen den Unantastbaren“. Das CIJ bezog sich auch auf angebliche beleidigende Mohammed-Cartoons an Wänden von Berliner Moscheen. Die Berliner Polizei weiß von keinen solchen Zeichnungen. Möglich ist, dass Mohammed-Karikaturen gemeint sind, die bei einer Demonstration von Pro Deutschland vor mehreren Moscheen in Berlin gezeigt worden waren.

+++ 15.35 Uhr +++

Der arabische Fernsehsender al-Dschasira meldete, nach den Attacken auf die deutsche und britische Botschaft seien Tausende aufgebrachte Menschen auf den Weg zur amerikanischen Botschaft der Stadt. Eine Korrespondentin berichtete von mindestens 20 Bussen.

+++ 15.16 Uhr +++

Die Demonstranten sind offenbar nicht in das Gebäude der deutschen Botschaft eingedrungen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Augenzeugen, dass die Menge das Emblem der deutschen Vertretung niedergerissen und die islamische Flagge gehisst hat. Demnach warfen sie zudem Fensterscheiben ein und legten vor dem Haupttor Feuer.

+++ 15.01 Uhr +++

Neben der Deutschen wurde auch die benachbarte Britische Botschaft von Hunderten Demonstranten angegriffen. An der deutschen Vertretung wurde ein Auto in Brand gesetzt.

+++ 14.55 Uhr +++

Der Drahtzieher hinter dem islamfeindlichen Film, der die Welle der Gewalt in der arabischen Welt auslöste, ist laut US-Medienberichte eine dunkle Figur mit kriminellem Hintergrund. Justizbeamte hätten bestätigt, dass es sich um einen in Kalifornien lebenden Mann namens Nakoula Basseley Nakoula handele, berichtet das Magazin „Time“ auf seiner Internetseite. Er bediene sich verschiedener Decknamen und sei unter anderem wegen Bankbetrugs 2010 zu einer Haftstrafe von 21 Monaten verurteilt worden. Dabei sei ihm auch für fünf Jahr der Zugang zum Internet verboten worden.

+++ 14.45 Uhr +++

Außenminister Westerwelle bestätigt den Angriff auf die Botschaft. Weiter sagte er in Berlin: „Der sudanesische Botschafter wurde bereits heute morgen einbestellt und unmissverständlich auf die Pflicht seiner Regierung zum Schutz diplomatischer Einrichtungen hingewiesen.“ Die Botschaftsangehörigen befänden sich derzeit in Sicherheit. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes tage und stehe in Kontakt mit der Botschaft.

+++ 14.42 Uhr +++

Die Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Khartum sind derzeit in Sicherheit. Das teilte Bundesaußenminister Guido Westerwelle am Freitag in Berlin mit.

+++ 14.38 Uhr +++

Rund 5000 Demonstranten haben sich an dem Sturm auf die deutsche Botschaft beteiligt. Viele von ihnen blockierten die Zufahrtsstraßen, um die Feuerwehr von dem brennenden Gebäude fernzuhalten. Die sudanesische Polizei setzte Tränengas gegen die aufgebrachte Menge ein. Auch die nahe gelegene britische Botschaft in Khartum wurde angegriffen.

+++ 14.28 Uhr +++

Die Demonstranten haben Augenzeugen zufolge die deutsche Botschaft in Khartum in Brand gesteckt. Zuvor waren sie auf das Botschaftsdach gestiegen, hatten die deutsche Flagge entfernt und eine islamistische Fahne gehisst. Über das Schicksal der Mitarbeiter gibt es noch keine Erkenntnisse.

+++ 14.18 Uhr +++

Beim Sturm auf die deutsche Botschaft im Sudan haben die Demonstranten am Freitag die deutsche Flagge von dem Gebäude in Khartum geholt. Stattdessen sei eine islamistische Fahne gehisst worden, berichtete ein AFP-Korrespondent.

+++ 14.12 Uhr +++

Auch die britische Botschaft wurde am Freitag angegriffen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Angesichts der gewalttätigen Proteste gegen den islamfeindlichen US-Film „Unschuld der Muslime“ hatte die Bundesregierung am Freitag die Sicherheitsvorkehrungen an deutschen Botschaften und Konsulaten in islamischen Ländern verschärft.

+++ 13.58 Uhr +++

Im Sudan haben Demonstranten versucht, die deutsche und die britische Botschaft zu stürmen. Die Polizei feuerte Tränengas, um die Menge zu zerstreuen, berichteten Reuters-Augenzeugen am Freitag.

Im Sudan sind die Proteste gegen den Film „Die Unschuld der Muslime“ in Gewalt ausgeartet. Die Menge stürmte die deutsche Botschaft. Morgenpost Online hälft sie in einem Live-Ticker auf dem Laufenden.