US-Wahlkampf

Republikanische Parteispitze wendet sich von Akin ab

Mit seinen sexistischen Thesen bringt der Abgeordnete Todd Akin Präsidentschaftskandidaten Romney im US-Wahlkampf in die Bredouille.

Foto: DAPD

Manchmal sind es nur ein paar wenige Sätze, die über Gedeih oder Verderb eines Politikers entscheiden können. Bei Todd Akin aus Missouri lauteten sie so: „Es ist wirklich selten, dass eine Frau nach einer Vergewaltigung schwanger wird.“ Der Körper einer Frau habe in einem solchen Fall „Möglichkeiten zu versuchen, dem Ganzen ein Ende zu bereiten“. Und deshalb solle Abtreibung, so der konservative Kongressabgeordnete am Wochenende, keine legale Option sein.

Schon wenig später scheint dem 1947 geborenen Kandidaten für den US-Senat bewusst geworden zu sein, dass er damit nicht nur Empörung bei politischen Gegnern produziert hatte. In einer E-Mail erklärte Akin, er habe sich lediglich versprochen. Wobei genau, darauf ging der Republikaner indes nicht ein. Auch seine Erklärung, er empfinde tiefes Mitgefühl für die Tausenden Frauen, die jedes Jahr vergewaltigt werden, konnte Akin vor den Konsequenzen seiner Worte nicht mehr bewahren. Noch vor wenigen Tagen war er der umschwärmte, mit Parteigeldern überschüttete Mehrheitsbeschaffer gewesen.

Seine Chancen, einer demokratischen Senatorin den Sitz abzujagen, standen nicht schlecht. Inzwischen hat sich aber die Parteispitze abgewandt: Akin ist politisch so tot, wie man es bei lebendigem Leib nur sein kann. Seine Bosse in Washington haben ihm in Mafiamanier den Geldhahn zugedreht und ihm eine Frist gesetzt, um mit den Seinen zu beraten, „was er am besten tun muss zum Wohle seiner Familie, der Partei und der Nation“. Die Entscheidung scheint getroffen, der alte Haudegen schwor, nach seinem „sehr schweren Fehler“ erst recht nicht aufzugeben. Das schulde er den guten Leuten von Missouri, er fange jetzt erst an zu kämpfen. Er sagte: „Mit Gottes Gnade werden wir die Wahl gewinnen.“

„Unentschuldbar, beleidigend und falsch”

Der Mann begreift offenkundig nicht, was er mit seinem sexistisch-idiotischen Interview angerichtet hat. Die Äußerungen können die Republikaner den Senatssitz in Missouri, die Mehrheit im Oberhaus und Mitt Romney die Wahl kosten.

Paul Ryan, designierter Vizepräsidentschaftskandidat Romneys, war es, der nur Stunden nach der ersten Empörungswelle verlauten ließ, die Äußerungen Akins seien „unentschuldbar, beleidigend und, offen gesagt, falsch“. Ihm folgten alle möglichen Spitzen der Partei. Präsident Barack Obama kommentierte auf einer Pressekonferenz hart und klar: „Vergewaltigung ist Vergewaltigung, und die Idee, daran herumzudeuteln, ergibt keinen Sinn für die Amerikaner und gewiss nicht für mich.“ Es werde wieder einmal klar, „warum wir nicht eine Handvoll Politiker, die Mehrheit davon Männer, beschließen lassen dürfen, was für die Gesundheit von Frauen richtig ist“. Über Todd Akin, so Obama grimmig, sollten die braven Leute von Missouri richten.

Steilvorlage für Demokraten

Dabei geht es um weit mehr als nur die Personalie Akin, einen Ideologen, der Abtreibung auch bei Inzest und Vergewaltigung verboten sehen will. Er hat den Demokraten eine Steilvorlage für den Wahlkampf geliefert: Sie können nun eifrig daran erinnern, dass Akin zusammen mit Paul Ryan im Kongress mehrere radikale Anti-Abtreibungs-Gesetze durchpeitschen wollte. Das „Human Life Amendment“ sollte eine solche Kriminalisierung im Namen des Lebens bringen. Mitt Romney und Paul Ryan ließen zu Beginn der Woche eilig verbreiten, sie würden, einmal in Amt und Würde, Abtreibungen nach Vergewaltigungen nicht verhindern.

In einer Umfrage hatte Obama bei Frauen, der Mehrheit der Amerikaner, einen Vorsprung von 22 Prozent. Todd Akin dürfte dafür gesorgt haben, dass sich Obamas Vorsprung noch vergrößert. „Schrecklich unangenehm“ für die Republikaner nannte Obamas Chefberater David Axelrod genießerisch den Skandal, den manche schon „Rape gate“ nennen.