Sinai-Halbinsel

16 ägyptische Soldaten an der Grenze zu Israel getötet

| Lesedauer: 3 Minuten

Seit dem Machtwechsel in Ägypten kommt es immer wieder Gewaltexzessen auf der Sinai-Halbinsel. Nun drangen Bewaffnete Richtung Israel vor.

Bei einem Angriff auf einen ägyptischen Kontrollposten nahe der Grenze zu Israel sind 16 ägyptische Grenzschützer getötet worden. Nach Angaben von Sicherheits- und Rettungskräften näherten sich die Angreifer dem Posten am Sonntagabend in zwei Fahrzeugen und eröffneten das Feuer. Die ägyptische Seite machte Kämpfer aus dem Gazastreifen für die Tat verantwortlich.

Der Angriff ereignete sich in der Nähe des Grenzpostens Karm Abu Salem (Hebräisch: Kerem Schalom) auf der Sinai-Halbinsel. Die Angreifer brachten zwei Panzerfahrzeuge in ihre Gewalt und drangen mit einem davon auf israelisches Gebiet vor, bevor es von israelischen Sicherheitskräften zerstört wurde. Das israelische Militär tötete dabei laut einer Sprecherin fünf Angreifer. Auf israelischer Seite habe es keine Opfer gegeben. Die israelischen Sicherheitskräfte suchten in der Nacht zum Montag im Grenzgebiet nach möglichen weiteren Angreifern.

Ein ranghoher Vertreter der ägyptischen Sicherheitskräfte machte Glaubenskrieger aus dem benachbarten Gazastreifen für den Angriff verantwortlich. Die Dschihadisten seien durch Tunnel im Grenzgebiet nach Ägypten gekommen und hätten den Grenzposten attackiert, während die Soldaten gerade das abendliche Fastenbrechen im Ramadan begingen, sagte der Beamte der ägyptischen Nachrichtenagentur Mena.

„Feige Attacke“

Das ägyptische Präsidialamt verurteilte den Angriff als „feige Attacke“. Die Verantwortlichen für das Verbrechen würden „teuer dafür bezahlen“, erklärte das Büro von Präsident Mohammed Mursi in der Nacht zum Montag. In einer TV-Ansprache nach einem Krisentreffen mit der Armeespitze betonte Mursi, die Sicherheitskräfte würden den Sinai wieder vollständig unter ihre Kontrolle bringen. Laut der Nachrichtenagentur Mena wurde der einzige Grenzübergang zwischen Ägypten und dem Gazastreifen in Rafah bis auf weiteres geschlossen.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, der Vorfall werfe ein Schlaglicht darauf, wie wichtig es sei, dass die ägyptischen Behörden die Sicherheit auf dem Sinai wieder herstellten und Terroristen bekämpften. Das israelische Büro zur Terrorbekämpfung hatte am Donnerstag alle israelischen Staatsbürger aufgerufen, den Sinai umgehend zu verlassen, da es Warnungen vor drohenden Angriffen auf Israelis gebe.

Touristenmagnet Sinai zunehmend unsicher

Im Sinai ansässige militante Islamisten werden für mehrere Raketenangriffe gegen Israel verantwortlich gemacht. Sie sollen im vergangenen Jahr auch einen Angriff jenseits der Grenze verübt haben, bei dem neun Israelis getötet wurden. Die Gaspipeline im Norden des Sinai, die Israel und Jordanien versorgt, wird immer wieder Ziel von Anschlägen.

Auf der Sinai-Halbinsel befinden sich zahlreiche Badeorte, die für die ägyptische Tourismusindustrie von großer Bedeutung sind. Seit dem Sturz des langjährigen Staatschefs Husni Mubarak im Februar 2011 hat sich die Sicherheitslage auf dem Sinai deutlich verschlechtert. Die dort lebenden Beduinen waren unter Mubarak benachteiligt worden.

Gemäß dem israelisch-ägyptischen Friedensvertrag von 1979 ist auf der Sinai-Halbinsel nur wenig Militär stationiert. Im vergangenen Jahr hatte Israel der ägyptischen Armee jedoch aufgrund der veränderten Lage erlaubt, Panzer und Soldaten in die Region zu entsenden.

( AFP/dpa/ap )

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