Honorare

Enttäuschte Apotheker rüsten politisch gegen die FDP

Deutschlands Apotheker gelten eigentlich als Stammwähler der FDP. Doch unter Rösler und Bahr befürchten sie Netto-Einbußen und machen mobil.

Foto: DPA

Die Apotheker wollen die Bundesregierung unter Druck setzen, damit sie ein höheres Honorar für die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten bekommen. Auch andere Honorare – etwa für Nacht- und Notdienste – sollen steigen. „Das, was Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler uns angeboten hat, ist nett, aber es reicht nicht“, sagte Apothekerpräsident Heinz-Günter Wolf. Die Inflation und die gestiegenen Kosten der Apotheker könnten so nicht ausgeglichen werden.

Das Verhältnis zwischen den Pharmazeuten und den in diesem Fall zuständigen Bundesministern Philipp Rösler (Wirtschaft) und Daniel Bahr (Gesundheit, beide FDP) ist über diesen schon seit Wochen schwelenden Konflikt stark abgekühlt. Gefordert hatten die Apotheker eine Erhöhung ihrer Honorare um mehr als 600 Millionen Euro. Von den beiden liberalen Ministern hatten sie sich großes Verständnis für ihre Sorgen und Nöte erhofft, gelten die Apotheker doch als Stammwähler der FDP.

Angeboten haben Rösler und Bahr jedoch nur ein Plus von 190 Millionen Euro. Die Enttäuschung darüber sei unter den Apothekern sehr groß, heißt es bei ihrem Spitzenverband ABDA. Auf die Frage, ob Proteste bis hin zu Streiks denkbar seien, sagte Präsident Wolf, man wolle der Politik „jetzt erst einmal argumentativ“ gegenübertreten. Es gebe bald Gespräche mit den beiden Ministern. Die Zeit drängt, denn schon in knapp zwei Wochen könnte die Regierung entscheiden.

Hoffen auf die CSU

Die Hoffnungen der Pharmazeuten ruhen nun vor allem auf der CSU, die schon angedeutet hat, sich auf die Seite der Apotheker schlagen zu wollen. In Bayern wird nächstes Jahr gewählt, derzeit regieren CSU und FDP gemeinsam. „Das sachliche Gespräch wird jetzt in der ganzen Bundesrepublik geführt“, sagte ABDA-Präsident Wolf, was durchaus als politische Drohung an die FDP zu verstehen ist.

Vor allem Abgeordnete in ländlichen Regionen dürften nun mit der Apothekerlobby zu tun haben – und überzeugt werden, dass es nicht hinnehmbar sei, wenn örtliche Apotheken aus finanziellen Gründen schließen müssten. Die Landesverbände der Pharmazeuten gelten als durchsetzungsstark, sie haben bereits mehrfach gezeigt, dass sie über die Landesregierungen politischen Druck erzeugen können. Offene Drohungen vermeidet die ABDA bislang, das Klima soll nicht noch schlechter werden.

Die beiden FDP-Minister wiederum wollen jeden Anschein vermeiden, sie betrieben Klientelpolitik. Entsprechend hart zeigten sie sich bereits gegenüber der Pharmabranche, den Krankenhäusern und den privaten Krankenversicherungen. Minister Bahr sagte jüngst auf einer Parteiveranstaltung in Sachsen, auf der viele Ärzte und Apotheker anwesend waren: „Wir wollen keine Partei der Ärzte und Apotheker sein.“ Beifall erntete er damit nicht, wie Teilnehmer sagten.

In der Sache geht es den Apothekern darum, dass die Kosten für den Betrieb der Apotheke gestiegen sind, nicht aber das fixe Honorar, das sie für jede abgegebene Packung eines rezeptpflichtigen Medikaments bekommen. Derzeit sind dies 8,10 Euro, wobei sich dieser Betrag bei Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung wegen der gesetzlichen Rabattvorschriften wieder um 2,05 Euro verringert. Nun fordern die Apotheker 9,14 Euro pro Packung.

Honorarsystem von Ulla Schmidt

Das Honorarsystem existiert seit 2004, es wurde unter Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eingeführt. Zuvor waren die Apotheker prozentual am Verkaufspreis beteiligt. Die damals versprochene regelmäßige Erhöhung des Honorars ist allerdings seitdem ausgeblieben. Die Umstellung von der prozentualen Beteiligung auf ein fixes Honorar pro Medikamentenpackung sei grundsätzlich richtig gewesen, sagte ABDA-Präsident Wolf. Aber: „Wir haben uns damals abhängig von der Politik gemacht.“

Die drei Prozent Steigerung beim Honorar für die vergangenen neun Jahre, die die beiden Minister angeboten hätten, reichten nicht aus, um die angewachsenen Kosten in den Apotheken und die Inflationsrate auszugleichen – immerhin 14,5 Prozent in dem Zeitraum, sagte Wolf. Die Patienten erwarteten eine qualitätsgesicherte Rund-um-die-Uhr-Versorgung.

Für Nacht- und Notdienste bekommen die Apotheker 2,50 Euro pro abgegebene Medikamentenpackung – auch dieses Honorar soll steigen. Denkbar wäre auch eine Pauschale pro Nachtdienst, aber dafür müssten extra Gesetze geändert werden.

Im vergangenen Jahr gaben die gesetzlichen Krankenkassen insgesamt 28,98 Milliarden Euro für Arzneimittel aus, das entspricht rund 16 Prozent der Gesamtausgaben von 179,61 Milliarden Euro. 2010 waren es 30,18 Milliarden Euro. Von der Summe bleiben nach Angaben der ABDA rund 15,4 Prozent beim Apotheker, 65 Prozent gehen an die Pharmaindustrie, 99 Prozent an den Großhandel. Den Rest kassiert der Fiskus über die Mehrwertsteuer. mit art

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen