Finanzkrise

Spanien will nicht unter Rettungsschirm flüchten

Die Krise in Spanien drückt die Finanzmärkte weltweit ins Minus. Den Euro-Rettungsschirm will das Land nicht nutzen.

Die Sorge um die finanzielle Überlebensfähigkeit Spaniens wächst. Die Risikoaufschläge für spanische Anleihen stiegen am Montag auf ein neues Rekordhoch, die Börsen weltweit reagierten mit heftigen Kursabschlägen auf neue Negativnachrichten aus Madrid. Finanzminister Luis de Guindos wird am Dienstag in Berlin erwartet.

Die spanische Zentralbank teilte mit, die Wirtschaft des Landes im zweiten Quartal sei voraussichtlich um 0,4 Prozent geschrumpft. Spanien befindet sich seit dem ersten Quartal erneut in der Rezession: Von Januar bis März ging das Bruttoinlandsprodukt ebenso um 0,3 Prozent zurück wie bereits im letzten Quartal des vergangenen Jahres.

Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stiegen bis Mittag auf die neue Rekordhöhe von 7,466 Prozent. Die Marke von sieben Prozent wird als Grenzwert angesehen, ab dem Investoren ein Land in Zahlungsschwierigkeiten sehen. Ein solcher Wert gilt als längerfristig nicht tragbar für einen Staat.

Die Euro-Finanzminister hatten zwar am Freitag endgültig grünes Licht für Kredite in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro für die angeschlagenen spanischen Banken gegeben. Mit dem auf 18 Monate ausgelegten Programm sollen bedürftige Geldinstitute rekapitalisiert werden, die aufgrund einer geplatzten Immobilien- und Kreditblase in Schwierigkeiten gerieten. Investoren befürchten aber, dass auch der spanische Staat trotz der Hilfen für seine Banken selbst zum Kandidaten für Hilfe aus dem Eurorettungsfonds wird.

Spaniens Wirtschaftsminister de Guindos will sich am Dienstagabend mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) treffen, wie ein Ministeriumssprecher in Berlin mitteilte. Eine Pressebegegnung sei nicht vorgesehen. Der Sprecher gab sich zuversichtlich, dass die Hilfen für Spaniens Bankensektor die Märkte beruhigen würden. Von weiteren Bemühungen Madrids um Unterstützung sei der Bundesregierung nichts bekannt, betonte er.

Doch in Spanien und Italien gaben die Aktienkurse an den Leitbörsen in Madrid und Mailand am Montag um mehr als fünf Prozent nach. Die Kurse an der Börse in Athen rutschten gar um mehr als sechs Prozent ab, nachdem es am Wochenende Berichte über einen baldigen Bankrott Griechenlands gegeben hatte. Auch an den Aktienmärkten in Frankfurt, London und Paris gab es Kursverluste von rund 1,5 Prozent. Die asiatischen Handelsplätze verloren zwischen knapp zwei und fast drei Prozent.

„Extreme Nervosität“

Ungeachtet der kritischen Lage Spaniens am Anleihenmarkt ist die Regierung in Madrid zuversichtlich, dass das Land nicht unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss. „Selbstverständlich“ schließe die spanische Regierung diese Notwendigkeit aus, sagte de Guindos am Montag vor Journalisten.

De Guindos bezeichnete die Zuspitzung der Lage an den Märkten als „unlogisch“. Es herrsche dort eine „extreme Nervösität“. Die Regierung habe wichtige Wirtschaftsreformen, Sparmaßnahmen und Maßnahmen zur Sanierung der Banken getroffen. Jetzt seien andere Initiativen nötig, betonte der Minister unter Anspielung auf den Wunsch Spaniens, dass die Europäische Zentralbank auf dem Schuldenmarkt massiv spanische Titel aufkaufen soll, um das Zinsniveau für das Euro-Krisenland zu drücken. EZB-Präsident Mario Draghi hatte dies am Wochenende erneut entschieden abgelehnt.

Bei einer Anhörung der Wirtschaftskommission im spanischen Parlament über die vereinbarte Euro-Bankenhilfe für die angeschlagenen spanischen Geldhäuser von bis zu 100 Milliarden Euro sagte de Guindos, dass der „niedrige“ Zinssatz für die Notkredite bei etwa 1,5 Prozent liegen werde. Die Tilgungsfristen würden auf maximal 15 Jahre und im Durchschnitt auf 12 Jahre festgelegt werden.

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