Kommentar

Attentat war feiger Mord aus Verblendung

Morgenpost-Autor Dietrich Alexander über den perfiden Anschlag auf israelische Touristen im bulgarischen Burgas.

Foto: DPA

Es war ein perfider Anschlag in der bulgarischen Schwarzmeerstadt Burgas, der sieben Menschen – fünf israelische Touristen, den bulgarischen Busfahrer und den Selbstmordattentäter selbst – das Leben gekostet hat. Auch wenn dessen Motive für diese heimtückische Tat noch genauso im Dunkeln liegen wie die möglichen Auftraggeber, liegt doch die Vermutung nahe, dass die Drahtzieher aus dem islamistischen, antisemitischen Umfeld stammen.

Ob der Iran oder sein Ableger Hisbollah eine Rolle dabei gespielt haben, wie der israelische Premier Benjamin Netanjahu reflexartig nach dem grauenhaften Anschlag behauptete, wird sich erst noch weisen müssen. Der Iran wies die Beschuldigungen empört zurück, aber das bedeutet nichts. Es wäre nicht das erste Mal, dass seine terroristischen Handlanger israelische Staatsbürger im Ausland töten. Ähnliche Attentate hat es in der Vergangenheit in Thailand, Indien, Georgien, Kenia und Zypern gegeben. Es geht den Mördern darum, möglichst viele Menschen zu töten – egal ob Touristen, Frauen oder Kinder. Sie suchen diese sogenannten „weichen Ziele“, weil sie an die harten – Militärstützpunkte, logistische Zentralen, Regierungseinrichtungen – mit ihren begrenzten und primitiven Mitteln nicht mehr herankommen. Seit den Anschlägen vom 11. September 2011 auf New York und Washington hat die freie Welt sicherheitstechnisch aufgerüstet und zur Gegenwehr gegriffen. Das hat sich offenbar ausgezahlt, zu wirklich großen, koordinierten Anschlägen, die eine umfassende Logistik voraussetzen, sind nach übereinstimmenden Erkenntnissen westlicher Geheimdienste die islamistischen Fanatiker von al-Qaida oder Hisbollah nicht mehr in der Lage.

Terrordrohungen gegen Israelis in Bulgarien – und nicht nur dort – gibt es seit Langem. Bereits im Januar konnten die bulgarischen Behörden einen Anschlag auf einen Bus mit israelischen Ski-Touristen verhindern. Nun ist es einem ideologisch und religiös verblendeten Mörder gelungen, Menschen zu töten, die lediglich ihren Urlaub am Schwarzen Meer genießen wollten. Wahrlich keine Ruhmestat, auch wenn der Täter geglaubt haben mag, mit diesem Massaker als Märtyrer ins Paradies einzugehen. Es war ein unwürdiges, feiges und menschenverachtendes Verbrechen.

Israel wird es vor dem Hintergrund des Dauerkonflikts mit dem Iran und als Hauptzielscheibe islamistischer Terrororganisationen wohl auch in Zukunft kaum gelingen, seine Bürger im Ausland ausreichend zu schützen. Sie sind gefährdet, in Bulgarien ebenso wie auf Zypern, in Griechenland oder Russland. Es sei unerträglich, so gab der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, treffend zu Protokoll, dass Israelis sich weder im eigenen Land noch im Ausland sicher fühlen könnten. Bulgarien, das als israelfreundlich und keineswegs antisemitisch bekannt ist, hat die Sicherheitsvorkehrungen für die vielen Tausend israelischen Touristen verschärft. Aber es gibt keinen vollkommenen Schutz gegen zu allem entschlossene Selbstmordattentäter.