Syrien

Tote bei Anschlag auf Assad-freundlichen Fernsehsender

Bewaffneten erschossen Mitarbeiter und sprengten Gebäude in die Luft. Die Gewalt in weiten Teilen des Landes hält unvermindert an.

Foto: DAPD

Bei einem Anschlag auf den regierungsfreundlichen syrischen Fernsehsender Ichbarija TV sind nach Regierungsangaben sieben Angestellte getötet und mehrere entführt worden. Bewaffnete seien am frühem Mittwochmorgen in zwei Gebäude der 20 Kilometer südlich von Damaskus gelegen Zentrale von Ichbarija TV gestürmt und hätten mehrere Sprengsätze gezündet, sagte Informationsminister Omran al Soebi. Er sprach von einem Massaker an der Pressefreiheit. Die Rebellen bestritten jede Verantwortung für den Überfall.

Angriffe auf regierungsfreundliche Journalisten gab es bereits in der Vergangenheit, jedoch blieben sie die Ausnahme. Ein Mitarbeiter des überfallenen Senders erklärte, Kollegen seien verletzt worden. Er selbst sei zusammen mit mehreren Wachen des Senders entführt worden. Die Täter hätten ihn schließlich freigelassen, die Wachen allerdings nicht, sagte er am Telefon. Wie viele Menschen sich noch in der Hand der Entführer befanden, blieb unklar.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP berichtete von vor Ort, fünf als Büro und Studio genutzte mobile Gebäude seien zerstört worden. Auf dem Boden habe es Blutspuren gegeben, Teile der hölzernen Strukturen hätten noch gebrannt. In den Wänden seien Einschusslöcher zu sehen gewesen. Stunden nach dem Überfall sendete die TV-Station allerdings noch. Sie übertrug eine Demonstration aus Damaskus, deren Teilnehmer gegen den Überfall auf den Sender protestierten.

Gewalt in Syrien auf dem Niveau wie vor dem Waffenstillstand

Die Gewalt in Syrien hat nach Angaben des stellvertretenden UN-Gesandten für das Land, Jean-Marie Guehenno, inzwischen das Niveau vor der Waffenstillstandsvereinbarung Mitte April „erreicht oder sogar überschritten“, wie er am Mittwoch vor dem UN-Menschenrechtsrat erklärte. Der syrische Präsident Baschar Assad bezeichnete den Konflikt am Dienstag erstmals als Krieg. „Wir leben in einem echten Kriegszustand“, sagte er. Bisher hatte Assad stets erklärt, ausländische Terroristen hätte die Gewalt im Land angezettelt.

Der im Exil lebende syrische Oppositionspolitiker und ehemalige Vorsitzende des Syrischen Nationalrats (SNC), Burhan Ghaliun, erklärte am Mittwoch, er habe von Rebellen gehaltene Gebiete im Norden Syriens bereist. Dem Fernsehsender Al-Dschasira sagte er, er habe Gegenden in der Provinz Idlib besucht, die sich ohne Einfluss der Regierung aus Damaskus selbst regieren. Ein „Teil des Landes ist befreit“, sagte er, ohne Angaben darüber zu machen, wann und für wie lange er sich dort aufgehalten hatte.

Aktivisten berichteten auch am Mittwoch aus ganz Syrien von anhaltender Gewalt. Der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge wurden bei einem Überfall in der Provinz Deir el Sur mindestens zehn Regierungssoldaten getötet. Außerdem sei es den Rebellen am Dienstag gelungen, einen Kampfhubschrauber der syrischen Regierungstruppen abzuschießen, teilte die Gruppe mit. Eine unabhängige Bestätigung dieser Angabe gab es nicht.

Die Aktivisten berichteten außerdem von weiteren Auseinandersetzungen, vor allem in den Provinzen Idlib und Aleppo sowie in den von Rebellen gehaltenen Gebieten in der Stadt Homs.