US-Präsident

Obama unterläuft ein Fehler nach dem anderen

Knapp fünf Monate vor der Wahl läuft es schlecht für US-Präsident Barack Obama Sein Rivale Mitt Romney holt auf.

Foto: DAPD

Als „Schlüsselfigur im Wirtschaftsteam von Präsident Obama“ wird John Bryson nach wie vor auf der Homepage der Regierung gelobt. Doch am Montagabend tauchte der Handelsminister in einen zeitlich unbestimmten Genesungsurlaub ab und dürfte kaum an seinen Schreibtisch zurückkehren: Bryson, 68 Jahre alt, hatte am Wochenende in der Nähe von Los Angeles mit seinem Privatwagen in kurzer Abfolge drei Kollisionen verursacht und Fahrerflucht begangen. Nach der Unfallserie fand die Polizei den Ex-Manager eines Stromversorgers bewusstlos hinter dem Steuer. Ein erster Atemtest ergab keinen Hinweis auf Alkohol oder Drogen. Das Ergebnis der Blutprobe steht noch aus. Regierungsvertreter machen einen nicht näher spezifizierten und erstmaligen „Anfall“ verantwortlich.

„Iunius horribilis“ – der schreckliche Juni

Ein Handelsminister, der die Kontrolle verliert, hatte Barack Obama gerade noch gefehlt. Pannen, Pech und Pleiten scheinen den Präsidenten dieser Tage zu verfolgen. Die „Washington Post“ flüchtet sich bereits ins Lateinische und spricht vom „Iunius horribilis“ – dem schrecklichen Juni.

Die vorige Woche etwa wurde von den Arbeitslosenzahlen verhagelt. Die Quote stieg nach 8,1 Prozent im April auf 8,2 Prozent im Mai an. Verheerender aber war Obamas erste Reaktion darauf. „Der private Sektor läuft gut“, sagte er, problematisch sei nur die geringe Zahl von Einstellungen im öffentlichen Bereich. Mitt Romney, der republikanische Präsidentschaftskandidat, nutzte diese Steilvorlage – und Obama korrigierte sich binnen 24 Stunden: „Die Wirtschaft läuft nicht gut. Zu viele Menschen sind ohne Arbeit.“ Nur zwei Tage zuvor waren die Wahlkampf-Einnahmen Romneys und Obamas für den Mai veröffentlicht worden. Erstmals hatte der Herausforderer den Titelverteidiger mit 76,8 zu 60 Millionen Dollar überholt.

Auf den einstigen Private-Equity-Manager hatte sich das Team Obama mit Negativ-Spots fürs Fernsehen eingeschossen, in denen Arbeitslose klagten, sie hätten ihre Jobs nach der Übernahme ihrer Firmen durch Romneys Unternehmen Bain Capital verloren. Doch just am ersten Tag dieses Pannenmonats sah sich ausgerechnet Ex-Präsident Bill Clinton veranlasst, Romney zu verteidigen. Der spätere Gouverneur von Massachusetts habe eine „gediegene“ Karriere in der Wirtschaft hingelegt. Prompt wurde spekuliert, der einstige Präsident wolle Romney im November siegen sehen, um die Ausgangsposition für eine Kandidatur seiner Frau Hillary, der jetzigen Außenministerin, für das Jahr 2016 zu verbessern.

Ebenfalls vorige Woche musste Justizminister Eric Holder auf Druck der Republikaner zwei Staatsanwälte ernennen, die angebliche Indiskretionen des Weißen Hauses untersuchen sollen. Die „New York Times“ hatte zuvor in zwei ausgesprochen detailreichen Storys das Bild Obamas als erfolgreicher Kriegsherr etwa im Cyberwar gegen den Iran oder im Kampf gegen Terroristen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet oder in Somalia mittels Drohnen gezeichnet.

21 Wochen vor der Präsidentschaftswahl läuft es schlecht für Obama. Und in Florida, jenem „Battleground-State“, der seit 40 Jahren fast immer im Einklang mit dem US-weiten Resultat der Präsidentschaftswahl abgestimmt hat, führt Romney schon mit 0,2 Prozentpunkten.