Nach Kampfabstimmung

SPD-Konservative umwerben Linken-Fraktionsvize Bartsch

Die Linke hat ein neues Führungsduo - ohne Reformer Bartsch. Er scheiterte gegen den radikaleren Flügel. Die SPD bietet nun ihm eine Zukunft.

Foto: DAPD

Die SPD-Konservativen haben den bei der Wahl zum Vorsitzenden der Linkspartei gescheiterten stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden und Reformer Dietmar Bartsch zum Parteiwechsel ermuntert. „Ich würde mich sehr freuen, Sie in der SPD begrüßen zu können. Es wäre ein Gewinn für die SPD und für die Politik in Deutschland“, sagte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, „Handelsblatt Online“.

Die Linke habe „keine Zukunft“ mehr, sagte Kahrs mit Blick auf den erbitterten Führungsstreit innerhalb der Partei. Er rief Bartsch dazu auf, bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr gemeinsam mit der SPD den „Wechsel“ zu gestalten, statt die Linke weiter „zu erdulden“.

In Kampfabstimmungen setzte sich am Wochenende ein Spitzenduo aus der bisherigen Parteivize Katja Kipping und Baden-Württembergs Landeschef Bernd Riexinger durch. Riexinger, der zum radikaleren Teil der Partei gezählt wird, gewann das Duell gegen Reformer Bartsch. Für den 56-jährigen Stuttgarter Gewerkschaftsfunktionär stimmten 297 Delegierte, für Bartsch 251.

Wagenknecht machte Weg für Riexinger frei

Vor der Wahl hatte Partei- und Fraktionsvize Sahra Wagenknecht ihren Verzicht auf eine Kandidatur erklärt. Sie wolle die Polarisierung in der Partei „nicht auf die Spitze treiben“, sagte die Lebensgefährtin von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine.

Mit diesem Schritt dürfte Wagenknecht praktisch den Weg für Riexinger frei gemacht haben, der zum Lager der Parteilinken um Lafontaine gezählt wird. Vor der Wahl war spekuliert worden, ob Wagenknecht noch im letzten Moment antritt. Lafontaine hatte Mitte Mai zunächst seine Bereitschaft zu einer erneuten Kandidatur erklärt, diese dann aber wieder zurückgezogen.

Vor der Entscheidung zwischen Riexinger und Bartsch war bereits Kipping zur Parteivorsitzenden gewählt worden. Die 34-jährige Bundestagsabgeordnete, die dem Reformflügel der Partei zugerechnet wird, setzte sich bei der Wahl des Frauen-Postens unter den beiden Vorsitzenden mit 371 zu 162 Stimmen klar gegen die Hamburger Fraktionschefin Dora Heyenn durch.

Wagenknecht wurde nach der Wahl des neuen Spitzenduos mit klarer Mehrheit als Parteivize bestätigt. Weitere Stellvertreter sind die bisherige Bundesgeschäftsführerin Caren Lay sowie die Bundestagsabgeordneten Jan van Aken und Axel Troost. Neuer Geschäftsführer ist Sachsen-Anhalts Landeschef Matthias Höhn, der dem Reformflügel der Linken um Bartsch zugerechnet wird.

Warnung vor Zerfall und Spaötung

Vor der Wahl der neuen Führungsspitze hatte Fraktionschef Gregor Gysi offen von einer möglichen Spaltung der Linken gesprochen. Sollte es der Partei nicht gelingen, eine kooperative Führung zu wählen, „wäre es besser, sich fair zu trennen“, sagte Gysi auf dem Parteitag. Ex-Parteichef Lafontaine mahnte hingegen: „Trotz aller Schwierigkeiten gibt es keinen Grund, das Wort Spaltung in den Mund zu nehmen.“ Der abgetretene Parteichef Klaus Ernst warnte in seiner Abschiedsrede vor einem Zerfall der Partei: „Momentan driftet der Laden auseinander.“

Der SPD-Parlamentsgeschäftsführers Thomas Oppermann zeigte sich überzeugt, dass der Parteitag die Linke „geschwächt und nicht gestärkt“ habe. „Eine solche Partei braucht Deutschland nicht“, erklärte Oppermann. Auch die Grünen gingen auf klare Distanz zu den Linken. Die strategischen Differenzen der Linken seien auf auf dem Parteitag nicht geklärt worden, erklärte ihr Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck.