Islam-Debatte

Bundespräsident Gauck verärgert deutsche Muslime

| Lesedauer: 2 Minuten

Foto: DPA

Gauck ist auf Distanz zu Wullfs Islam-Rede gegangen und hat damit eine neue Debatte entfacht. Der Zentralrat der Muslime reagiert schroff.

Die Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck zum Islam verärgern den Zentralrat der Muslime. Der Vorsitzende Aiman Mazyek warf Gauck Geschichtsfälschung vor. Der Chef der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, mahnte dagegen, die Debatte locker anzugehen und die Wortwahl des Staatsoberhaupts nicht überzubewerten.

Auch Grünen-Parteichef Cem Özdemir reagierte mit Unverständnis Gaucks Äußerungen. „Ich kann diese Differenzierung zwischen Islam und gläubigen Muslimen nicht nachvollziehen“, sagte Özdemir den „Ruhr Nachrichten“. Wenn der Bundespräsident erkläre, dass in Deutschland lebende Muslime zu Deutschland gehörten, „dann gehört natürlich auch ihr Islam zu Deutschland“, widersprach Özdemir.

Gauck hatte gesagt, er werde den Satz seines Amtsvorgängers Christian Wulff nicht übernehmen, wonach der Islam zu Deutschland gehört. „Aber seine Intention nehme ich an“, betonte er. Nach Gaucks Auffassung gehören die Muslime sehr wohl zu Deutschland.

Wulff hatte mit seiner Äußerung zum Islam zu Beginn seiner Amtszeit eine hitzige Debatte ausgelöst und einigen Widerspruch geerntet – gerade auch in seiner eigenen Partei.

Gauck sagte nun der Wochenzeitung „Die Zeit“, Wulff habe die Bürger auffordern wollen, sich der Wirklichkeit zu öffnen. Und die sehe so aus, „dass in diesem Lande viele Muslime leben“. Der Bundespräsident, der evangelischer Theologe ist, betonte: „Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.“

Gauck sagte, er könne allerdings auch diejenigen verstehen, die fragten: „Wo hat denn der Islam dieses Europa geprägt, hat er die Aufklärung erlebt, gar eine Reformation? ... Ich bin hoch gespannt auf den theologischen Diskurs innerhalb eines europäischen Islam.“

Der Zentralrat der Muslime reagierte schroff: „Das europäische Abendland steht ganz klar auch auf muslimisch-morgenländischen Beinen“, sagte der Vorsitzende Mazyek der „Passauer Neuen Presse“. „Wer das leugnet, betreibt Geschichtsfälschung.“

„Wir sollten keine Fronten aufbauen“

Die Türkische Gemeinde in Deutschland riet dagegen zu Besonnenheit. „Wir sollten das jetzt nicht überbewerten“, sagte der Vorsitzende Kolat. Indirekt habe Gauck schließlich gesagt, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Nur weil er nicht exakt die Wortwahl seines Vorgängers übernehme, sei dies keine Abkehr von dessen Position. „Man muss das entspannt angehen und sollte jetzt keine Fronten aufbauen“, mahnte Kolat. Geschichtsfälschung sei Gauck nicht vorzuwerfen.

Kolat warb für eine sachliche Debatte anstelle von ideologischen Diskussionen. „Wir sollten die Sache historisch betrachten.“ Es gebe durchaus eine christlich-jüdisch-islamische Tradition in Europa. Über diese Einflüsse solle die Gesellschaft diskutieren. „Und wenn Gaucks Äußerungen dazu beitragen, ist es gut.“

Gauck beendete am Donnerstag seine viertägige Nahost-Reise.