Vor Gauck-Besuch

Israels Botschafter warnt vor neuem Antisemitismus

Bundespräsident  Gauck ist zu einem Staatsbesuch nach Israel geflogen Die Grass-Debatte wird auch bei diesem Besuch eine Rolle spielen.

Foto: DAPD

Vor der Israel-Reise von Bundespräsident Joachim Gauck hat der neue israelische Botschafter in Berlin, Yakov Hadas-Handelsman, vor zunehmendem Antisemitismus in Deutschland und Europa gewarnt. Antisemitismus und Rassismus seien „eine große Gefahr“, sagte Hadas-Handelsman. „Antisemitismus ist präsenter in Europa. Wir sehen es leider fast tagtäglich. Auch in Deutschland ist das Phänomen jetzt neuerlich aufgekommen und verbreitet“, sagte der Diplomat insbesondere mit Blick auf die Debatte um das als antisemitisch kritisierte Gedicht von Literaturnobelpreisträger Günter Grass.

Grass hatte in einem Zeitungsbeitrag Israels Haltung im Atom-Konflikt mit dem Iran scharf attackiert und Israel als Aggressor dargestellt. Die Grass-Debatte werde auch während der Israel-Reise Gaucks eine Rolle spielen, erwartet Hadas-Handelsman. „Selbstverständlich wird über dieses Thema auch während des Besuchs gesprochen“, sagte der Botschafter. Er wolle dazu aber keine Erwartungen an das deutsche Staatsoberhaupt formulieren.

Gauck hatte sich bislang in der Debatte um den Grass-Text, der in Deutschland wie auch in Israel kontrovers diskutiert wurde, nicht öffentlich geäußert. Dass Gauck aus der ehemaligen DDR stamme und selbst Verfolgung und Unterdrückung erlebt habe, sei „ein zusätzlicher Grund, warum dieser Besuch wichtig ist“, sagte Hadas-Handelsman mit Blick auf die beide Länder eng miteinander verbindende Geschichte.

Antisemitismus nicht verharmlosen

Antisemitismus dürfe nicht verharmlost werde. Er sei eine „riesige Gefahr für Europa, weil es sich nicht nur gegen die Juden“ richte, warnte der israelische Botschafter. Vielmehr sei er Teil eines weit verbreiteten Fremdenhasses „anti alles, was nicht genau wie wir ist, wir Deutschen oder Franzosen oder Engländer oder Schweden usw.“.

Insbesondere „wenn die wirtschaftliche Lage nicht so gut ist in Europa“, bestehe diese Gefahr. In Deutschland und Europa gebe es die Beweise dafür, „was in der Vergangenheit passiert ist und wie weit Menschen gehen können“, sagte der Botschafter mit Blick auf die Verbrechen der NS-Zeit und den Holocaust.

„Selbstverständlich ist die Vergangenheit immer da und soll und wird dableiben. Das ist der Hintergrund für unsere gegenwärtige und zukünftige Zusammenarbeit“, sagte Hadas-Handelsman. Die Reise des Bundespräsidenten sei jedoch vielmehr ein Zeichen dafür, wie „großartig die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind“. Für die Zukunft gehe es darum, wie „man diese großartigen oder besonderen Beziehungen verbreitern“ könne. Dafür gebe es eine ausbaufähige Zusammenarbeit schon heute auf vielen Gebieten: in Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur oder Sport.