ESC in Baku

Berliner Hans-Erich Bilges macht PR für Aserbaidschan

Seine Firma sitzt in Kreuzberg und einer seiner Auftraggeber ist ein Land am Kaspischen Meer. Hans-Erich Bilges berät Aserbaidschan.

Foto: SCHROEWIG/News & Images

In Sachen Kommunikation wird die Regierung Aserbaidschans von einem Berliner beraten. Der PR-Experte Hans-Erich Bilges ist mit seiner Firma Consultum im Auftrag der Regierung tätig. „Das Land öffnet sich“, erklärt Bilges auf Anfrage. „Wir haben der Bitte des Präsidenten Alijew entsprochen, das Land auf diesem Weg beratend zu begleiten.“

Bilges sieht Alijew und seine Regierung „auf einem behutsamen und schrittweisen Weg der Demokratisierung“. Er hebt hervor, dass Aserbaidschan in den letzten fünf Jahren Fortschritte hin zu einem modernen Staat gemacht habe. Konkret: „Bei der sozialen Besserstellung der Bevölkerung, des Ausbaus von Schulen, Universitäten, Straßen und Krankenhäusern.“ Auch Aserbaidschan habe ein Recht, seinen Weg zu einem sozialen Rechtsstaat zu gehen, so Bilges.

Kritik, dass er einem autoritär regierenden Machthaber helfe, sein Image aufzupolieren, weist Bilges zurück. „Zu keinem Zeitpunkt ist uns zugemutet worden – und wir hätten das auch abgelehnt –, mit beschönigenden PR-Aktivitäten von den Realitäten abzulenken, um ein schöneres Bild von der Wirklichkeit zu malen.“ So verstehe er seinen Auftrag. „Zur journalistischen Fairness gehört, alle Realitäten zu sehen; also auch oder vor allem die Fortschritte, die den Menschen nützen.“

Kein fairer Umgang

Die Berichterstattung in den deutschen Medien zur Lage Aserbaidschans kritisiert der PR-Berater. Viele Journalisten würden nicht fair und objektiv recherchieren. Beispielsweise bei den Umsiedlungen der Menschen, die dem Bau der neuen Konzerthalle für den European Song Contest weichen mussten. Um die abgerissenen Häuser zu ersetzen, habe der Staat „Milliarden“ für mehrere Zehntausend Wohnungen mit Toiletten, Bädern und Fahrstühlen ausgegeben. „Es hat dabei Ungerechtigkeiten gegeben“, räumt Bilges ein. Aber die würden nun nach und nach korrigiert.

Medien berichten über zahlreiche Proteste der Bevölkerung. Bilges aber sieht darin eine Inszenierung. „Zu fragen ist, welche Motive und wer hinter den perfekt organisierten und getimten Demonstrationen mit in der Regel immer den gleichen wenigen Kritikern steckt“, sagt der PR-Experte.

Auch zur Pressefreiheit hat er eine andere Haltung. „Die größte Zeitung in Baku ist eine Oppositionszeitung“, so Bilges. „Sie und auch andere aserbaidschanische Zeitungen drucken beinahe täglich negative Artikel aus deutschen Zeitungen ab und zwar unbehelligt.“

Bilges Firma Consultum Communications, mit Sitz in Berlin-Kreuzberg, unterstützte im vergangenen September auch eine Gala zum 20. Jahrestag von Aserbaidschans Unabhängigkeit. Offenbar mit Erfolg: Zu der Feier im Deutschen Historischen Museum kam die damalige First Lady Bettina Wulff.