Linken-Parteispitze

Lafontaine will kandidieren, aber nur ohne Bartsch

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AFP/dpa/sei

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Ex-Parteichef Oskar Lafontaine ist bereit, erneut Linke-Vorsitzender zu werden – aber nur ohne Kampfkandidatur gegen Fraktionsvize Bartsch.

Die Linke hat auf einem Krisentreffen am Dienstag nach einer Lösung des Führungsstreits gesucht. Vor den Beratungen erklärte der frühere Parteichef Oskar Lafontaine seine grundsätzliche Bereitschaft zur Rückkehr an die Parteispitze, auch sein Gegenspieler Dietmar Bartsch nahm an den Beratungen teil. Bereits vor dem Treffen stritten die Anhänger Lafontaines und die Reformer um Bartsch weiter um die künftige Führung.

Seine Kandidatur für den Parteivorsitz sei an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, sagte Lafontaine. So sei er nicht bereit, sich auf dem Parteitag im kommenden Monat einer Kampfkandidatur um den Vorsitz zu stellen. Eine solche Kampfabstimmung wäre „kein krönender Abschluss meiner Karriere“, sagte der 68-Jährige. Er betonte zugleich, dass die Partei nach den jüngsten Wahlniederlagen in einer „schwierigen Situation“ sei und sich jetzt ganz auf die 2013 anstehenden Wahlen in Niedersachsen und im Bund konzentrieren müsse.

Im Ringen um den Parteivorsitz gibt es damit nun drei Möglichkeiten. Entweder Lafontaine verzichtet auf eine Kandidatur und überlässt das Feld Bartsch, der seinen Hut bereits vor einem halben Jahr in den Ring geworfen hatte. Oder Bartsch ordnet sich in einer neuen Parteiführung unter und wird beispielsweise Bundesgeschäftsführer. Am Montag hatte Bartsch das allerdings bereits ausgeschlossen. Als dritte Option bliebe übrig, dass beide verzichten und ein anderer Kandidat gesucht wird.

Die Linke wählt am 2. und 3. Juni auf einem Parteitag in Göttingen einen neuen Vorstand, der von zwei Vorsitzenden – einem Mann und einer Frau – angeführt werden soll.

Mit seinen Äußerungen von Dienstag drängt Lafontaine Bartsch indirekt auf einen Verzicht seiner Kandidatur, was dieser bislang aber abgelehnt hat. Die künftige Parteiführung müsse in der Lage sein, gut zusammenzuarbeiten, sagte Lafontaine, dessen Verhältnis zu Bartsch als belastet gilt. Die beiden Anwärter berieten mit dem geschäftsführende Vorstand und den Landesvorsitzenden in Berlin über die Führungsfrage.

Die Vizepartei- und Fraktionschefin Sahra Wagenknecht kritisierte Lafontaines Gegner scharf. Es würden „haltlose Falschmeldungen lanciert“, sagte sie im ZDF-„Morgenmagazin“. Sie dementierte ausdrücklich Berichte, denen zufolge ihre Lebensgefährte Lafontaine sie als Fraktionsvorsitzende neben Gregor Gysi durchsetzen wolle. Die neue Führung müsse die Partei wieder nach oben ziehen, dazu bauche es „viel Selbstbewusstsein“.

Auch der amtierende Parteichef Klaus Ernst sprach sich für Lafontaine aus. „Die Kapitänsbinde sollte an den erfolgreichsten Spieler gehen“, sagte Ernst der „Passauer Neuen Presse“ vom Dienstag. Er machte deutlich, dass eine Kampfkandidatur auf dem Parteitag kein Makel sei. „Das ist Demokratie“, sagte Ernst.

„Ich kenne es so, dass Kandidaten Angebote machen, nicht Forderungen stellen“, sagte hingegen der Landesvorsitzende aus Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn, der „Süddeutschen Zeitung“. „Wenn Lafontaine kandidieren will, soll er das endlich tun“, sagte Bockhahn, der Bartsch unterstützt.

Der Thüringer Fraktionschef Bodo Ramelow sagte dem RBB-Sender Radio Eins, Lafontaine hätte seine Bereitschaft zur Kandidatur spätestens vor acht Wochen erklären sollen. „Aber zu sagen: Ich komme am Dienstag, höre mir alles an und werde dann entscheiden, ob ich kandidiere – ich finde, das ist kein Umgang miteinander.“

„Mit einer Heilsbringerfigur an der Spitze bekommt die Linkspartei nichts geregelt“, sagte der Berliner Linken-Landesvorsitzende Klaus Lederer der „Berliner Zeitung“. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnte die Linkspartei davor, sich von Lafontaine ein Comeback aufdrängen zu lassen. Lafontaine stelle sich ausgerechnet gegen den den „erfolgreichen Flügel“ der Partei, sagte Thierse dem Berliner „Tagesspiegel“.

Der Führungsstreit bei den Linken hat sich auch wegen der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen verschärft, bei der die Partei jeweils mit gut zwei Prozent gescheitert war.

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