"Happiness Report"

In Deutschland ist man weniger glücklich als anderswo

US-Wissenschaftler haben weltweit Glück gemessen. Ergebnis: In Deutschland ist man nicht so glücklich wie anderswo.

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Glück erlangt derzeit weltweit neue Aufmerksamkeit. Vor kurzem veröffentlichten Wissenschaftler der New Yorker Columbia University den neuen „World Happiness Report“, dessen Ergebnisse auf einer Konferenz der Vereinten Nationen in New York präsentiert wurden (PDF-Download HIER, Online-Präsentation HIER). Doch was ist Glück? Ist es die Eigentumswohnung, der Porsche in der Garage? Wassersparen für die saubere Umwelt? Sind reiche Menschen glücklicher als arme? Oder sind es doch die immateriellen Güter, wie Gesundheit, Partnerschaft und Selbstverwirklichung, die den Menschen wirklich zufrieden machen?

Besitz und Geld sind jedenfalls nicht die entscheidenden Faktoren, die das Glück des Menschen bestimmen. Das weiß die Wissenschaft schon seit langem. „Das Bruttoinlandsprodukt verfehlt das Ziel, die Faktoren zu erfassen, die im Leben der Menschen Bedeutung haben und zu ihrem Glück beitragen – wie Sicherheit, Freizeit, Einkommensverteilung und eine saubere Umwelt“, sagt beispielsweise der amerikanische Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.

Auch die Politik hat erkannt, dass es neue und andere Indikatoren geben muss, die das Wohlergehen der Menschen bestimmen. Einige Länder haben sich schon auf Spurensuche begeben, wie das nationale Wohl ihrer Einwohner zu bemessen ist. So versucht Amerika mit einem Indikatoren-System von 300 Kennzahlen künftig dem Wohlergehen der Gesellschaft auf den Grund zu gehen. Frankreichs Noch-Präsident Nicolas Sarkozy beauftragte jüngst Stiglitz mit einer eigenen Kommission, die Wirtschaftsleistung und den sozialen Fortschritt des Landes zu messen. In Großbritannien fragte das Nationale Statistikamt die Bevölkerung in einer Umfrage, wie sie „well-being“ messen würde.

Fest steht schon jetzt: Die glücklichsten Menschen dieser Welt leben laut „Happiness Report“ in Nordeuropa. Besonders die skandinavischen Länder schneiden gut ab: Dänemark, Finnland, Norwegen stehen an erster Stelle, gefolgt von den Niederlanden, Kanada, der Schweiz, Schweden oder Neuseeland. Deutschland ist nach dieser Rangliste nicht unter den glücklichsten Ländern der Welt. Die Bundesrepublik belegt Platz 30, nach Italien und Kuwait. Doch das soll sich ändern.

Dafür will Coca Cola sorgen. Anfang Mai eröffnete das amerikanische Unternehmen ein „Happiness Institut“ in Deutschland. Das Institut soll den Beweis antreten, das Deutschland nicht nur das Land der Griesgrame ist. „Eine lange Zeit galten die Deutschen als Bedenkenträger und Schwarzmaler. Aber diese pessimistische Haltung tritt immer mehr in den Hintergrund“, sagt Trendforscher Peter Wippermann. Er berät das „Happiness Institut“.

Dazu zählt auch Stefan Bergheim, der seit 2009 Direktor des „Zentrums für gesellschaftlichen Fortschritt“ in Frankfurt am Main ist und vor einigen Jahren die Studie „BIP allein macht nicht glücklich“ veröffentlichte. „Die Politik tut sich noch schwer, sich mit den Themen Glück und Lebensfreude zu befassen“, sagt Bergheim. „Deswegen ist es wichtig, von außen starke Impulse in die Politik und auch die Wirtschaft hineinzubringen.“ Coca Cola hat eine Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben, um das Glück und die Lebensfreude der Deutschen zu vermessen: „Die Deutschen gelten als pünktlich, gründlich und verlässlich. Aber sie gelten nicht gerade als Optimisten, die vor Lebensfreude sprühen“, heißt es in der Studie.

Diesen Ruf haben die Deutschen laut Studie zu unrecht: 78 Prozent der Deutschen sind lebensfroh, jeder Zweite empfindet sogar große Lebensfreude. Drei Viertel der Deutschen blicken laut Coca-Cola-Umfrage optimistisch in die Zukunft. „Aus ‚German Angst’ wird ‚German Lebensfreude’“, wie Wippermann schreibt.

Entscheidend für die meisten Befragten ist vor allem ein möglichst großes Maß Selbstbestimmung: Frei entscheiden zu können, wie sie ihr Leben gestalten und ihre Zeit verbringen — das ist besonders vielen Befragten wichtig. Immerhin 55 Prozent empfinden große Lebensfreude bei der Arbeit. Aber vor allem das Hobby steht im Mittelpunkt, besonders bei den Männern. Über die Hälfte von ihnen gehen in ihrer Leidenschaft auf, zum Beispiel beim Motorradfahren, Segeln oder Handwerken. „Vor allem Beziehungen, Freundschaften oder Kinder machen die Menschen lebensfroh“, sagt Tanja Schüle von Coca Cola, die das „Happiness Institut“ mitgegründet hat.

„Glück und Lebensfreude werden noch große Popularität erlangen“, prognostiziert Stefan Bergheim. Er weiß aber, dass über das Glück eher in reichen Ländern diskutiert wird. „Es gibt Menschen, die knallharte Existenzprobleme haben, für die eine solche Debatte eher eine Luxusdiskussion sein mag“, so der Ökonom.