Frankreich

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Sarkozy und Hollande

Die Franzosen wählen ihren Präsidenten. In Umfragen liegt Hollande vor Amtsinhaber Sarkozy. Doch der Vorsprung ist zuletzt enger geworden.

Foto: AFP

Noch ist nichts gewonnen“, warnt François Hollande bei seiner letzten großen Rede in Toulouse. Schwindet da gerade die Siegesgewissheit? Nachdem der Sozialist seit Monaten von allen Umfrage-Instituten zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt wurde und sein Vorsprung auf Amtsinhaber Nicolas Sarkozy stets bei mindestens sechs Prozent lag, sind die letzten Werte enger: nur noch 52,5 zu 47,5. Und das, obwohl der Sieger der Fernsehdebatte am Donnerstagabend nach Einschätzung der meisten Kommentatoren Hollande hieß – Sarkozy war einfach zu aggressiv, Hollande dafür souverän.

Der Abstand ist zwar immer noch größer als die statistische Schwankungsbreite, aber er ist klein genug, um auf der linken Seite leichte Zweifel zu nähren. Sollte es Sarkozy mit seinem Schlussspurt, in dem er die Front-National-Wähler umgarnte, doch noch gelungen sein, Reserven zu mobilisieren? Hat seine desperat wirkende Kampagne, in der er vor allem Ängste beschwor, gewirkt?

Selbst bei der „Libération“ – einem Blatt, das Hollande so ungehemmt bejubelt wie der „Figaro“ Sarkozy – entschied man sich am Tag vor der Wahl für ein vergleichsweise gedämpft optimistisches Titelbild: „Am Sonntag ist alles möglich“ lautet die Zeile über einem Schwarz-Weiß-Foto, auf dem ein vielleicht sechsjähriges Mädchen auf den Schultern seines Vaters eine Hollande-Fahne schwingt. Darunter heißt es „François Hollande bleibt der Favorit, aber der Vorsprung auf Sarkozy schmilzt.“

Lammkeule und Wachstumspaket

Doch dass Sarkozy am Sonntagabend tatsächlich noch triumphieren könnte, scheint selbst in seinem eigenen Lager niemand mehr ernsthaft zu glauben. Sie habe die letzte Hoffnung verloren, sagte eine UMP-Anhängerin beim womöglich letzten Auftritt des Präsidenten Sarkozy in Les Sables d'Olonnes an der Atlantikküste. Die Umfragen seien einfach zu schlecht. „Das dürfen Sie nicht sagen“, mahnte sie da ihre Nachbarin, „das ist doch ein Journalist, der schreibt das in der Zeitung.“ Ein Sieg Nicolas Sarkozys am Sonntagabend wäre das unwahrscheinlichste Comeback seit Gerhard „Lazarus“ Schröder im Wahlkampf 2005. Und selbst der schaffte entgegen seiner eigenen Analyse am Wahlabend die Wiederauferstehung nicht ganz.

Hollande wird das Wahlergebnis am Sonntagabend in seiner politischen Heimat Tulle erwarten und will sich dort dann vor der Kathedrale bejubeln lassen. Sein Lieblingsrestaurant in Tulle ist die „Brasserie Central“. Geführt wird sie von dem 88 Jahre alten Jean Poumier, einem eleganten Herren, der zuvor hier jahrzehntelang Jacques Chirac bewirtete – der ganz in der Nähe seinen Wahlkreis hatte. Kann sein, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel hier bald bei einer Lammkeule ein Wachstumspaket schnürt. Monsieur Poumier freut sich schon.